An der Wiege des Skisports

Von Wolfgang Altendorf

Es schneit unablässig. Niemand kann sich vorstellen, daß bei diesen Schneemassen, die die Straße bedecken, ihre Ränder säumen, vom Himmel wie durch ein gewaltiges Sieb geschüttelt werden, irgendein Auto jemals die Höhe des Feldberges erreichen kann. Titisee liegt etwa neunhundert Meter hoch, wir aber wollen noch vierhundert Meter höher.

Die Straße ist geräumt, das heißt, links und rechts türmt sich der Schneewall. Zur Straße hin ist er eine Mauer oder besser: Die Straße ist in den Schnee hineingefräst. Die Schneemauer gleicht einer unendlichen Portion Fürst-Pückler-Eis, so glatt abgeschnitten und so schattiert. Die Straßenbauverwaltung hat hier eine erstaunliche Routine entwickelt. Ihre Räumer, Maschinen verschiedener Typen, die – so scheint es – hier ihre Bewährungsprobe abdienen müssen, sind mit Telephonen ausgerüstet. So können sie jederzeit dirigiert werden. Wer steckenbleibt, wird abgeschleppt.

Die Straße ist nicht besonders steil. Man hat nicht das Gefühl, als "winde sie sich zu einem Gipfel empor". Der Feldberg wirkt nicht als Berg, als Berg im Sinne von Fuß und Spitze. Mächtig ausgelagert, breit, jede Dimension sprengend, so bietet er sich dar, Gebirge für sich im langgestreckten Schwarzwald, viele Jahre lang unbekannt, zumindest gemieden von den Menschen, abweisend, rauh, unwirtlich, gefährlich. Ein Saumpfad führte am Gipfel vorbei. Aus diesem Pfad wurde diese Straße, die Feldbergstraße. Sie ist weltberühmt.

Natürlich haben wir uns die notwendige Literatur über den Berg beschafft. Die erste dauernde menschliche Niederlassung dort oben war ein Berggasthaus, das im Jahre 1864 am Seebuck, einem der beiden Hauptgipfel, in 1280 Metern Höhe eröffnet wurde. Die Zeiten haben sich geändert. In fast hundert Jahren wuchs das Gasthaus zu einem unserer bedeutendsten Hotels aus, zum "Feldberger Hof", berühmt wie der Berg, einer nichts ohne das andere. Es ist tatsächlich gewachsen, und noch heute verleugnet es seine Wurzeln nicht.

Trampelpfad ins Hotel