Von Katharina Hoke

Es pfeifen’s allerorten die Spatzen von den Dächern, wie schlimm es um die Nachkriegsjugend bestellt ist (allerdings muß hier vermerkt werden, daß es in Deutschland schon ziemlich lange nur Kriegs- oder Nachkriegsjugend gibt, die von heute ist also leider gar keine Ausnahme), daß sie im Grunde aber gar nicht so schlimm sei, daß sie, unverstanden von der älteren Generation, mit besonderen Schwierigkeiten seelischer und materieller Art zu ringen habe.

Jene Schwierigkeiten bestreitet keiner. Um so mehr erstaunten mich ein paar Worte, die nicht ohne Pathos zur Lektüre eines Twen-Bekenntnisses in Romanform einladen sollen: Die Autorin wagte "zu sagen, wie es aussah und wie es heute noch Tausende junger Leute durchmachen: dieses ‚süße Leben‘..." So zu lesen auf dem Klappentext von

Gigi Martin: "Geh vorbei wenn du kannst.

Franz Decker Verlag Nachf., Schmiden bei Stuttgart; 180 S., 12,80 DM.

Ich frage mich vergeblich, wo sich wohl diese Tausende von armen Jugendlichen befinden, die ein süßes Leben "durchmachen" müssen. Nun, das Buch erhebt keinen Anspruch darauf, typisch zu sein, es sei denn für die geistige Verfassung einiger junger Leute, die einmal etwas von Françoise Sagan gehört haben, die allerdings nicht bemerkten, daß diese Autorin ihre französische Sprache ausgezeichnet beherrscht und intelligent genug ist, ihre Stilmittel bewußt zu verwenden. Nun glauben sie, Bekenntnisse niederschreiben zu müssen. "Die Geschichte ist wahr, so wahr, daß ich sie aufschreiben mußte", sagt Gigi Martin (sie spricht sich "wegen der französischen Herkunft" ihrer Familie Schischi Martäng) mit der ihrem Stil eigenen Schlichtheit. Eine echte Beichte also.

Die Geschichte handelt von zwei Mädchen, die in Liebe einander zugetan sind. Die eine wird von Langerweile in einen pernod-getränkten Freitod getrieben, während der anderen in den Armen eines männlichen Liebhabers Erlösung und hoffentlich ein tröstlicheres Schicksal zuteil wird.