Ein Feuilletonist von literarischem Rang

Von Martin Beheim-Schwarzbach

Ein junger (geboren 1929) und noch (zu) wenig bekannter Autor hat einen schmalen Band Kurzgeschichten geschrieben, die sich mit einer gewissen Vehemenz von allen sonstigen (mir bekannten) Exemplaren dieser heute viel verschrienen aber auch vielbegehrten Gattung abheben –

Josef Reding: "Allein in Babylon"; Paulus-Verlag, Recklinghausen; 144 S., 8,80 DM.

Es sind 23 Kurzgeschichten oder Stories – der Rezensent schwankt im Strudel der literarischen Begriffe, welche Vokabel eigentlich paßt, der Verleger sagt Stories, er selber tritt gern immer wieder für den altehrwürdigen und naiven Begriff "Geschichte" ein, ohne "Kurz", und sieht sich also mit 23 Exemplaren davon konfrontiert, die er bedächtig abzuschmecken gesonnen war, was ihm aber nicht gelang: diese Geschichten rissen ihn mit.

Nach ein paar der ersten Proben hat man heraus, daß es sich um sehr lebensnah und lebensecht erfundene, vielleicht aber auch zum Teil wahre, jedenfalls mit äußerst scharfer Pointe versehene Begebnisse handelt, in einer drängenden, höchst gegenwärtigen und doch gepflegten Sprache vorgetragen, im Dialog zur wohlgewürzten Unterkühlung neigend und im Vortrag forsch, heftig, eigenwillig, ohne Konventionen und doch frei von der (mir immer unleidlicher werdenden) Koketterie der ganz Modernen, die mit modischen Mätzchen wie Kursiveinschüssen, Rückblenden, Monologen, Interpunktionslosigkeit und Perspektivenchaos arbeiten.

Josef Reding handhabt die Sprache als ein einfaches Werkzeug der Zweckmäßigkeit, und die Schneiden seiner Diktion sind scharf geschliffen. Die Erfindungen kreisen mit rasanter Kraft und verengen sich stürmisch zur Pointe, die jedesmal eine klare, überzeugende Entscheidung bedeutet – das Zwielicht und ein weises Einerseits-Andererseits ist nicht dieses Autors Sache. Sie sind ausnahmslos aktuell und schrecken niemals vor Grausamkeiten zurück; mögen lautere oder leisere Töne angeschlagen werden, sie gehen immer aufs Ganze.