Günter Eich hat vor acht Jahren das Hörspiel„Die Gäste des Herrn Birowski“ geschrieben. Es gefiel ihm nun nicht mehr. Er schrieb es neu und gab ihm den neuen Titel „Meine sieben jungen Freunde“. Der Inhalt blieb, doch das Hörspiel ist ganz anders geworden. Es war ein guter Einfall der Hamburger Hörspielredaktion, beide Fassungen in einer Woche darzubieten.

Herr Birowski, Rentner, wird in einem Altersheim Nachbar der beiden Damen Therese und Paula. Der Alte trinkt, und im sanften Rausch kostet er seine Halluzinationen aus. Nachdem Napoleon und Columbus ihre Freundschaft mit ihm gekündigt hatten, schafft Herr Birowski sich Ersatz dafür; er empfängt ab jetzt sieben junge Freunde. Sie besuchen ihn mit Fleiß, sie pflegen miteinander das Gespräch und teilen ihre Sorgen. Die Nachbarinnen, anfangs skeptisch und etwas unheimlich berührt, setzen nach Herrn Birowskis Tod den Umgang mit den Geistern (was ist schon „wirklich?“) fort.

Die erste Fassung läßt keine Zweifel zu. Das Stück ist in sich logisch. Es ist mit Zwischenmusiken versehen, die Dialoge werden akustisch unterstützt. Nicht so in der neuen Fassung. Wer sie ohne Erläuterung hört, tappt im Ungewissen. Das Stück ist so „verdichtet“, die Regie so asketisch, daß die Vorstellungskraft des Hörers überfordert wird.

Beide Fassungen unterscheiden sich wesentlich schon im Titel: Aus den Gästen sind Freunde geworden. Im ersten Stück zweifelt Herr Birowski selbst an den Erscheinungen. Therese meint, andere sähen weiße Mäuse oder Elefanten, Birowski eben Menschen. Das Unwirkliche wird offenbar, das Stück wird klar, es fordert Teilnahme.

Im neuen Hörspiel ruft Eich den Anschein einer Realität hervor. Birowskis Zweifel an der „wirklichen“ Existenz seiner Freunde sind gering. Das Wort Gespenster kommt wohl im ersten, nicht aber im zweiten Stück vor, das trotz seiner Scheinrealität abstrakter wirkt und ganz offenbar danach verlangt, gelesen zu werden. Es ist als Stück sehr gut, als Hörspiel schlecht. Beide Fassungen haben einen entscheidenden Vorzug: Was der Dichter sagt, ist wesentlich. m. s.

Vergangenheit gegenwärtig

Der polnische Autor Zbigniew Herbert begibt sich mit einem Hörspiel in „Die Höhle der Philosophen“; (Gemeinschaftsproduktion Rias Berlin und Radio Bremen.) Er trifft darin auf Sokrates und eine Heerschar seiner Schüler. Sokrates bereitet sich gerade auf den Schierlingsbecher vor.