DIE ZEIT

Der Kanzler – sprunghaft?

Es ist fast rührend, wie besorgt manche Leute plötzlich sind, weil der Kanzler gesagt hat, er wolle die Beziehungen zu Rußland entspannen, das Klima verbessern.

Teurer Besuch

Als Minister Erhard im September an der Jahresversammlung der Weltbank in USA teilnahm, geriet er ins Kreuzfeuer der Kritik.

De Gaulle in Front

Frankreich hat aufregende Tage hinter sich, doch die schwierigsten Ereignisse stehen erst bevor. Zwar ist es, wie voraussehbar, am Gedenktag des Waffenstillstandes von 1918, dem 11.

Kennedys Konzept

Das Amt des amerikanischen Präsidenten ist das unmenschlichste dieser Erde. Sein Inhaber ist, gleichsam als Wahlmonarch, das Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten; er ist ferner Ministerpräsident und Parteiführer.

Ungeheuer von Holy Loch

Der wütende Widerstand, der sich bei einem Teil der englischen und schottischen Öffentlichkeit gegen das britisch-amerikanische Polaris-Abkommen erhoben hat, hat nicht nur in Washington peinlich überrascht.

Zeitspiegel

„Malenkow ist ein Mann, mit dem man reden kann ... er ist ein Mann, der Realitäten in Rechnung stellt... Chruschtschow dagegen ist ein Mann, der von diesen Dingen nichts weiß und nichts versteht, ein brutaler Kämpfer.

General Gürsel säubert

Am Sonntagmorgen dröhnten Düsenjäger über die Dächer von Istanbul. Im Bosporus patrouillierten Kriegsschiffe. Vor den wichtigsten Gebäuden der Stadt zogen schwerbewaffnete Wachen auf, und im Basar schwirrten die Gerüchte.

Neuer Herr in Brasilia

Das Erfolgsgeheimnis des neuen brasilianischen Staatspräsidenten Janio Quadros ist sein Symbol: der Besen. Weder Sichel und Hammer, noch Hakenkreuz, noch Rutenbündel – ein Besen.

Römische Wahlbilanz

Die große politische Kraftprobe, der sich die italienischen Parteien bei den jüngsten Kommunal- und Provinzwahlen unterwarfen, hat die christlich-demokratische Regierung Fanfani nicht gestärkt.

Schwarzseher

Der sowjetische Schriftsteller Nikolei Schpanow, der im Frühjahr 1939 ein Buch über die ersten Stunden des – bevorstehenden – Zweiten Weltkriegs schrieb, wird jetzt einen neuen Roman („Der Orkan“) veröffentlichen.

Ein Deutscher nach dem Herzen der Inder

Es gab in Indien wie in Deutschland Stimmen, die nach den dreimaligen Begegnungen des indischen Regierungschefs Nehru mit. Bundeskanzler Adenauer auf deutschem Boden die Meinung vertraten, daß ein gelegentlicher Gegenbesuch des deutschen Kanzlers in Indien keine übertriebene Aufmerksamkeit erregen würde.

Berlin: Gegenangriff der Staatsanwälte

Die Staatsanwälte im Berliner Bestechungsdezernat, denen leitende Verwaltungsbeamte vorgeworfen hatten, sie seien bei der Ermittlung von Bagatellfällen „allzu emsig“ gewesen, haben jetzt eine Gegenattacke gestartet: Sie überreichten dem Justizsenator eine 21 Seiten starke Denkschrift, in der sie die Beeinflussungsversuche bei der Bearbeitung von Korruptionsfällen in der Westberliner Verwaltung genau darlegen.

November-Karussell

Hat sich doch neulich so ein Rheinländer in der Hochbahn darüber aufgeregt, daß die Hamburger am Totensonntag und am Volkstrauertag auf den Dom gehen.

Die Macht der Ente

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß hatte vor einigen Tagen die Bonner Korrespondenten zu einem Entenessen in den Deutschen Presseklub eingeladen.

Elegie der Macht

Warum wurde Michel del Castillo der Jugendbuchpreis erst verliehen und dann vorenthalten?

Tolstoi – populär

In den Jahren 1928 bis 1959 ist in der UdSSR eine 90bändige Tolstoi-Ausgabe erschienen. 45 Bände enthalten das literarische Werk, 13 seine Tage- und Notizbücher, 31 seine Briefe, der letzte ist ein Ergänzungsband.

Was ist Unterhaltungsliteratur?

In einem neuen Buch von Marek (Ex-Ceram), das jetzt bei Rowohlt unter dem provozierenden Titel „Provokatorische Notizen“ erscheint, stehen viele hochgescheite Bemerkungen (und einige nicht recht gescheite).

Goethe war sein Meister

Nach seinem 75. Geburtstag, zu dem ihn Zeichen der Liebe aus aller Welt erreichten, schrieb Ernst Beutler: „Früher habe ich den Sinn dieser Geburtstagsfeiern des hohen Alters nie recht verstanden.

Die reine Wahrheit

Das tat Eduards Ohren weh. In seinem Normalgehirn spreizte sich etwas gegen diese Art der Reklame, er sah seinen gesunden Menschenverstand in sträflicher Weise übergangen, denn es bedurfte keiner Zerreißprobe des besagten Gummibandes, um zu wissen, daß der Mensch da ganz kolossal übertrieb.

Zum Trost ein Toast

„Da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder hatte Smirnow schon am Morgen Krach mit-seiner Frau gehabt, weil er sich immer in Dienstbotenfragen einmischt.

Zeitmosaik

Im Ostberliner Aufbau Verlag erscheint dieser Tage eine Sammlung von Aufsätzen, die bestimmt sind, den in Ost und West gleichermaßen bekannten und diskutierten marxistischen Literaturwissenschaftler Georg Lukács des „Revisionismus“ zu überführen und damit zu desavouieren.

Er geht aufs Ganze

Es sind 23 Kurzgeschichten oder Stories – der Rezensent schwankt im Strudel der literarischen Begriffe, welche Vokabel eigentlich paßt, der Verleger sagt Stories, er selber tritt gern immer wieder für den altehrwürdigen und naiven Begriff „Geschichte“ ein, ohne „Kurz“, und sieht sich also mit 23 Exemplaren davon konfrontiert, die er bedächtig abzuschmecken gesonnen war, was ihm aber nicht gelang: diese Geschichten rissen ihn mit.

Wer vertreibt wen?

Die Aufständischen in Indochina konnten weitere Erfolge erzielen. Die französischen Truppen beherrschen nur noch ein Drittel des Landes.

Mein Gedicht: Der Tod

„Mein Gedicht?“ – Aber das sind tausend Gedichte. Ich greife das erste beste heraus, das mir gerade in den Sinn kommt, eines der kürzesten meiner tausend Gedichte, nur vier Verse, von einem der liebenswürdigsten deutschen Poeten.

Es ist alles immer komplizierter

Der ehrgeizige Biograph kann es niemandem recht machen: weder den Zeitgenossen noch sich selber noch den Lesern späterer Generatioren.

Eine deutsche Sagan?

Es pfeifen’s allerorten die Spatzen von den Dächern, wie schlimm es um die Nachkriegsjugend bestellt ist (allerdings muß hier vermerkt werden, daß es in Deutschland schon ziemlich lange nur Kriegs- oder Nachkriegsjugend gibt, die von heute ist also leider gar keine Ausnahme), daß sie im Grunde aber gar nicht so schlimm sei, daß sie, unverstanden von der älteren Generation, mit besonderen Schwierigkeiten seelischer und materieller Art zu ringen habe.

Philosoph und doch kein Narr

Liest man „Der Mann und das Werk“, so kann man ziemlich sicher sein, was kommt: etwas über Eltern, Mädchen, Ehe, Kinder und Tod.

Nicht nur fremde Dichter

Lyrik aus fremder Zunge in die eigene zu übertragen, ist eines der selbstlosesten Geschäfte: je besser das Werk gelingt, desto sicherer fällt der dabei herausspringende Ruhm doch wieder dem originalen Urheber zu, nach dem bekannten Motto: „Wer schon hat, dem wird noch dazugegeben“.

Das Glück, aus dem nichts wird

genau, langsam und liebevoll die Wirren einer süditalienischen Fischerfamilie, der eines Tages, um sie zu erhöhen oder zu verderben, Hermes, der Gott aller zweideutigen Gunst, ein Geschenk in die Hände spielt: auf dem Meeresgrund eine Vase voll antiker Münzen.

Der neue Präsident

Der Autor hat sein Material mit dem Bienenfleiß des Archivars gesammelt und es mit der Fixigkeit des Reporters verarbeitet. Was dabei herauskam, kann sich trotz mancher Unzulänglichkeiten und trotz aller Vordergründigkeit sehen lassen.

Von der Renten- zur Lohndynamik

Da sage einer, die alljährliche Anpassung der Renten an die Löhne sei nicht ohne gesamtwirtschaftliche Folgen geblieben. Die Beamten haben sich bei ihren jüngsten Gehaltsforderungen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11.

Einigung auf das Defizit

Es begann damit, daß der neue Finanzminister Dr. Eduard Heilingsetzer auf das Budget 1961 seine eigene, „elastische Methode“ anwandte.

Billiges Geld - höhere Steuern?

Konjunktur durch monetäre Maßnahmen stabilisiert werden soll, aufgegeben worden. Die Notwendigkeit, Konjunkturpolitik zu betreiben, ist deswegen nicht geringer geworden.

Streit um das Rindfleisch

Auf das deutsch-französische Verhältnis ist dieser Tage ein kleiner Schatten gefallen. Diesmal sind es nicht die Europapläne de Gaulles, die Mißbehagen hervorrufen, sondern ist es die deutsche Agrarpolitik, die in Paris Mißstimmung erregt hat.

Verschwendungs-Wirtschaft

Es begann mit den aufgebohrten Zahnpastatuben. Ein kluger Kopf hatte den konsumsteigernden Effekt erkannt, den größere Öffnungen nach sich ziehen.

Pipelines als Konkurrenten

Der rasche Fortschritt im Bau von Erdölleitungen stellt die westeuropäischen Regierungen vor die Frage, ob es zweckmäßig ist, durch Sondergesetze den Bau von Pipelines zu reglementieren – wie das in Frankreich geschehen ist –, oder ob die bestehenden Gesetze ausreichen.

Zeitraffer

Die bisher üblichen verkaufsoffenen Sonntage vor Weihnachten fallen in diesem Jahr weg. Dafür werden an vier Sonnabenden vor Weihnachten die Geschäfte bis 18 Uhr offengehalten werden.

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