In einem Gespräch mit Journalisten hat der Generaldirektor des Volkswagenwerkes Prof. Dr. h. c. Heinz Nordhoff durchblicken lassen, daß in Wolfsburg – wo in diesen Tagen der viermillionste VW vom Band gelaufen ist – gar nicht daran gedacht werde, das Gesicht des bisherigen Fahrzeugs zu verändern oder es gar durch ein anderes Modell zu ersetzen. Ob das nunmehr die endgültige Antwort an alle diejenigen ist, die schon seit einiger Zeit mit mehr oder minder schadenfrohem Tremolo in der Stimme den Käufermarkt für das bisher gegen alle Rückschläge gefeite Fahrzeug aus Wolfsburg proklamieren, bleibt noch abzuwarten. Jedenfalls aber beurteilt der VW-Chef die künftigen Chancen auch eines unveränderten Volkswagens allen – sicherlich nicht immer ganz unbefangenen – Kassandrarufen zum Trotz betont zuversichtlich. Es gäbe auch keine eigentliche Kleinwagenkrise in der Bundesrepublik, erklärte Nordhoff; wohl aber stecke die deutsche Automobilindustrie tief in einer Krise von Fahrzeugen, die von bitter enttäuschten Käufern abgelehnt würden und die niemand mehr kaufen wolle. Das Angebot sei vielfältiger und die Käufer kritischer geworden, aber damit scheine sich eher eine "Bereinigung einer bisher undurchsichtigen Situation" durchzusetzen. "Man kann heute nicht mehr von den Lieferrückständen des VW leben", so sagte er wörtlich.

Was das VW-Werk so zuversichtlich stimmt, ist einmal eine Tatsache, die im Grunde allen deutschen Kraftfahrzeugherstellern besonders gefällt. Von allen westlichen Ländern hat die Bundesrepublik noch den größten Automobil-Nachholbedarf. In den USA kommen 3 Einwohner auf einen Pkw, in Schweden 7, Frankreich 10, England 10, Schweiz 11 und in Deutschland 15. Es sei nicht einzusehen – so folgerte Prof. Nordhoff –, warum die Bundesrepublik nicht in einigen Jahren, 1963–1965, das heutige Niveau von England und Frankreich erreicht haben sollte. Allerdings würde das Niveau der Vereinigten Staaten in Europa wohl nie als Maßstab gelten können, weil "die Dimensionen zu klein, die Bevölkerung zu dicht, die übrigen Verkehrsmittel zu gut und das Straßennetz zu schlecht" seien. Im Bundesgebiet hält – besonders im Gegensatz zu Großbritannien und Frankreich – die Aufwärtsentwicklung der Automobilindustrie noch weiter an. Aber die Zuwachsraten sind nicht so gleichmäßig verteilt, wie es sich manch ein Unternehmen dieser Branche wohl wünschen würde. Hinzu kommt, daß nicht nur die heimischen Fahrzeuge ihren Käufer suchen, sondern daß der deutsche Markt auch der in Europa am meisten frequentierte Markt der ausländischen Kraftfahrzeugproduzenten geworden ist. Nordhoff wies darauf hin, daß die Bundesrepublik im Jahre 1959 mehr als doppelt so viele Automobile importiert hat wie England, Frankreich und Italien zusammen.

Der Wettbewerb auf diesem Markt ist scharf. Dazu werden sich nach Nordhoffs Meinung auch noch Umschichtungen im Export ergeben. Für die europäische Automobilindustrie – einschließlich Wolfsburg – müsse der notwendige Exportanteil ziemlich einheitlich 50 vH der Produktion betragen. In Zukunft sei aber damit zu rechnen, daß mehr amerikanische Wagen nach Europa und weniger europäische Wagen nach den USA exportiert würden. Das bedeute eine "Verengung der Exportmärkte und eine wesentliche Verschärfung des Kampfes um den Käufer."

Indessen, auch dieser Entwicklung fühlt man sich in Wolfsburg durchaus gewachsen; denn als eine der Ursachen für die Umstellung in der amerikanischen Automobilwirtschaft – die Umkehr zu kleineren Dimensionen, die in dem Compact Car ihren Ausdruck findet – wird gerade der sensationelle Verkaufserfolg des VW in den Vereinigten Staaten angesehen. Während, wie Generaldirektor Nordhoff betonte, das Erscheinen der Compact Cars zu einem unerwartet starken Rückgang der europäischen Importe führte, bildet das Wolfsburger Fahrzeug die einzige Ausnahme. Auf den Lagerplätzen der amerikanischen Autohändler stehen gegenwärtig 148 000 importierte Fahrzeuge, darunter kein VW. Die Rücksendung unverkäuflicher Wagen sei in vollem Gange. "Das ist eine bittere Enttäuschung für viele, die hier ein leichtes Absatzfeld erhofft und die nicht begriffen hatten, warum der Volkswagen erfolgreich war" ... Das Wolfsburger Unternehmen dagegen gedenkt, seinen Absatz auf dem amerikanischen Markt weiter auszudehnen; 200 000 Volkswagen werden in diesem Jahr die Reise über den Atlantik antreten. Nmn

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Die Phoenix-Rheinrohr AG, Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, Düsseldorf, stellt in einem Aktionärbrief eine "gegenüber dem Vorjahr erhöhte Dividende" in Aussicht (die Börse rechnet mit 12 nach 10 vH). Auch dieses Montanuunternehmen hat ein extrem gutes Geschäftsjahr hinter sich. Wie jetzt mitgeteilt wird, betrugen die Zuwachsraten beim Roheisen 34 vH und beim Rohstahl 33 vH. Der Umsatz erhöhte sich von 1,4 auf 1,8 Mrd. DM um 29 vH.