Die Fritz Werner AG, Berlin, eine Werkzeugmaschinen-Fabrik, steckte noch vor wenigen Jahren so in den roten Zahlen, daß selbst optimistische Beobachter an ihrer Lebensfähigkeit zu zweifeln begannen. Als Ende 1958 die Hauptgläubigerin, die Berliner Industriebank AG, die Verwalterin der für Berlin bestimmten ERP-Mittel, durch einen Kapitalschnitt und anschließende Erhöhung des AK auf 10 Mill. DM die Sanierung vornahm, geschah dies zwar auch in der Hoffnung und Absicht, der Gesellschaft eine erfolgversprechende neue Grundlage zugeben. Daneben aber waren unmittelbar nach dem ersten sowjetischen Berlin-Ultimatum politische und sozialpolitische Gesichtspunkte mit dafür entscheidend, daß dem Unternehmen nochmals beträchtliche Mittel zuflössen. Seitdem gehört die Fritz Werner AG über die Berliner Industriebank, die über mehr als 99 vH ihrer Aktien verfügt, indirekt zu den bundeseigenen Unternehmen – von vornherein allerdings mit der Maßgabe, daß die Gesellschaft nach dem Überschreiten der Rentabilitätsschwelle so schnell wie möglich zu reprivatisieren sei.

Mehr noch als die Bilanz für 1959 (31. 12.), die dieser Tage der Hauptversammlung vorlag, ließ der mündliche Bericht des Vorstandsvorsitzers Dr. Rudolf Meyer über das laufende Jahr erkennen, daß die Zweifler in vollem Umfang unrecht behalten haben. Der Umsatz im Berichtsjahr ist von 28,8 auf rd. 33 Mill. DM gestiegen, in den ersten 10 Monaten d. J. um weitere 25 vH. Der gegenwärtige Auftragsbestand wird mit rund 64 Mill. DM bewertet, ist also etwa doppelt so hoch wie der letzte Jahresumsatz. Auf Befragen teilte Dr. Meyer mit, die Verwaltung erwäge bereits die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung für 1960.

Die Tochtergesellschaft Fritz Werner Fertigung GmbH, Geisenheim (Rheingau), hat 1959 ihren Umsatz von 3 auf 4 Mill. DM steigern können. Anfang d. J. hat die Berliner Muttergesellschaft die Mehrheitsbeteiligung an der Fräserfabrik INDACO in Nova Friburga (Brasilien) von nom. 0,15 Mill. DM erworben, um ihren Kundendienst in Südamerika ausbauen und verbessern zu können. Nicht zuletzt beginnt aber gerade jetzt das in den schwierigsten Nachkriegsjahren begonnene Consulting-Geschäft, der Entwurf und die Ausführung neuer Industrieanlagen, vornehmlich in den Entwicklungsländern, Früchte zu tragen. In der relativ kurzen Zeit von etwa 2 Jahren läßt sich also erkennen, daß sich die Sanierung gelohnt hat. Zwar steht noch kein ernsthafter Interessent für die Reprivatisierung zur Debatte, es sprechen aber außer den aufgeführten noch einige andere gewichtige Gründe dafür, daß er nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird. G. G.