Außerdem ist die Ausbildung des theologischen Nachwuchses in einen gefährlichen Zwiespalt geraten: Unter einer ganzen Gruppe von theologischen Lehrern zeigt sich ein religiöser Freisinn, von dem niemand mehr recht sagen kann, ob er mit den Sätzen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses noch vereinbar ist, von dem man aber ganz sicher weiß, daß er nicht die Kraft hat, um dem Materialismus in allen seinen Formen zu begegnen.

Es ist mehr als eine vage Vermutung, daß die Lage der Kirche in der Sowjetzone grundlegend anders wäre, wenn sich in Westdeutschland mehr von dem großen Atem der Bekennenden Kirche erhalten hätte. Jetzt spüren die in der Sowjetzone auch äußerlich bedrängten Gemeinden als erste die Wandlung von der „Volkskirche“ zur bekennenden Freiwilligenkirche.

Wenn die Kirche im Westen im trügerischen Gefühl der Sicherheit diesen Wandel noch nicht bemerkt, dann besagt das gar nichts. Auch sie wird ihn eines Tages wahrnehmen.