800 Jungen und Mädchen aus zwölf Ländern: "Man muß doch irgend etwas tun"

Sanft bewegte sich die Trikolore mit den goldenen Fransen und dem Regimentswappen in dem leichten Wind, der von der Loretto-Höhe herüberwehte. "Andern combattants" war in goldgestickten Lettern darauf zu lesen. Der sie im Lederköcher trug, war einer der alten Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges aus dem Dorf Neuville St. Vaast am Fuße des Hügels.

Fünfzig Jungen aus Deutschland, aus Schweden, aus Spanien sangen gemeinsam, doch in verschiedenen Sprachen, ein Lied. Sie nahmen Abschied von dem Ort, der ihnen Gastfreundschaft gewährt hatte, und von ihrem Werk: dem deutschen Soldatenfriedhof bei "Maison blanche", dem weißen Haus, das in den Frontberichten des Ersten Weltkrieges so häufig erwähnt worden war. Zwei Jahre lang haben Jugendliche aus zwölf Nationen mitgeholfen, den Friedhof für 42 000 deutsche Soldaten wieder instandzusetzen.

Das schlichte Holzkreuz in der Mitte der Anlage haben die Jungen zu Beginn ihrer Arbeit aufgerichtet und mit ungelenken weißen Buchstaben "paix aux hommes de bonne volonté" darauf gemalt. "Friede den Menschen, die guten Willens sind." Den Dank für ihre Arbeit sprach ihnen der Vorsitzende des örtlichen Frontkämpferbundes aus, ein Kriegsversehrter des Ersten Weltkrieges. "Daß wir an den Gräbern die Versöhnung erleben ...", sagte er bewegt.

An der Kapelle Notre Dame de Lorette haben die Franzosen eine nationale Gedenkstätte errichtet. Von der Vimy-Höhe mahnt das Denkmal der Kanadier. Vierzig Friedhöfe befinden sich auf diesem Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges: 200 000 Tote sind dort zur letzten Ruhe gebettet.

Von der Loretto-Höhe blickt man auf das einst erbittert umkämpfte Industriegebiet. Von den Ortschaften in der Talsenke stand damals kein Haus mehr. Ziegelschutt, von Granaten zermahlen, war alles, was von ihnen übrigblieb.

Spanier. Iren und ein Chinese