Wenn wir über eine Sache nichts wissen oder nicht genug wissen, neigen wir immer dazu, Gefühle an Stelle von Gedanken sprechen zu lassen. T. S. Eliot

Haut den Lukács!

Im Ostberliner Aufbau Verlag erscheint dieser Tage eine Sammlung von Aufsätzen, die bestimmt sind, den in Ost und West gleichermaßen bekannten und diskutierten marxistischen Literaturwissenschaftler Georg Lukács des "Revisionismus" zu überführen und damit zu desavouieren. Der Herausgeber Hans Koch geht dabei vor wie ein Kammerjäger, der im Namen der kommunistischen Allgemeinheit das Lukácssche Ungeziefer auszurotten hat. Er schreibt: Die von ihm gesammelten Aufsätze "enthüllen übereinstimmend und klar den Charakter der grundsätzlichen theoretischen Anschauung Georg Lukács’ als meiner besonders gefährlichen, weil mit scharfem Intellekt und teilweise in sorgsamer Verbrämung vorgetragenen Spielart des modernen Revisionismus ... Sie zeigen anschaulich, daß wir es ... nicht mit diesen oder jenen einzelnen Fehlern oder Irrtümern, sondern mit einem ausgearbeiteten System revisionistischer Anschauung zu tun haben ..." Es ist nicht das erste Mal, daß Lukács unten durch ist.

Preisnachrichten

Die "Förderungsgemeinschaft der deutschen Kunst" hat den von ihr gestifteten, mit zehntausend Mark dotierten "Hermann-Hesse-Preis" zum zweiten Male ausgeschrieben. Dieser Preis wird alle fünf Jahre für ein noch nicht veröffentlichtes erzählendes Werk eines deutschsprachigen Schriftstellers verliehen. Die Manuskripte müssen bis zum 30. Juni 1961 in Karlsruhe eingereicht werden; die Preisverteilung soll am 2. Juli 1962, dem 85. Geburtstag von Hermann Hesse, stattfinden. – Gerd Gaiser erhielt für seinen Roman "Schlußball" den Wilhelm-Raabe-Preis 1960 der Stadt Braunschweig. – Matthias Braun, Richard Hey und Hermann Moers erhielten den Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin in Höhe von je 5000 DM.

Talent bei der Talentsuche

Herr Meneghini hat eine Sängerin entdeckt, die er bei einem Gala-Abend demnächst groß herausstellen will. Sie heißt Silvana Municelli, ist dreiundzwanzig Jahre alt und hat laut Meneghini "eine zehntausendmal schönere Stimme" als (seine geschiedene Frau) Maria Callas.