Von Wolfgang Ebert

Was mag es bedeuten, wenn Chruschtschow dem Kanzler Grüße bestellen läßt?" fragte ich einen Mann, der sich auf die Zeichensprache des Kremls versteht.

"Nun, erstens könnte es heißen, daß er ihm wirklich nur Grüße bestellen läßt. Sie kennen sich ja von Moskau her, und vielleicht hat er gerade keine Zeit, ihm einen Brief zu schreiben."

"Sie wollen mich wohl auf den Arm nehmen", sagte ich mit dem eingeweihten Lächeln eines Mannes, der daheim seine eigene kleine Kreml-Volkssternwarte besitzt.

"Dann könnte es auch heißen: Ich habe mich über Walter geärgert, Sie über Charles – wollen wir ein bißchen rappalloieren, wenigstens zum Schein?"

"Angenommen, das war gemeint: wie erklären Sie sich dann den Smirnow-Ausbruch, just in diesem Augenblick?"

"Da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder hatte Smirnow schon am Morgen Krach mit-seiner Frau gehabt, weil er sich immer in Dienstbotenfragen einmischt. Oder er dachte: wenn sich der Kanzler schon über die Grüße meines Chefs freut – wie wird er sich erst freuen, wenn ich auch noch den Erhard ein bißchen ärgere."