Auf der Haupttagung des VDI in Hamburg wurde festgestellt, es seien mehr weibliche Ingenieure notwendig, um den Mangel an technischem Nachwuchs zu überwinden (das "Verhältnis der Geschlechter" ist zur Zeit 195 000 : 300). Dazu sei lediglich gesagt, daß es absonderlich anmutet, wenn bei solchen Gelegenheiten laut nach den Frauen gerufen wird, wo doch schon bezüglich des männlichen Nachwuchses die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung dies zu berichten hat:

"Das Angebot an Praktikantenstellen für den Ingenieurnachwuchs ist nach wie vor zu gering. Viele Betriebe betrachten die Ausbildung von Praktikanten offenbar als eine Belastung. Es gelang daher nicht, allen Interessenten zu einer Ausbildung im Praktikum zu verhelfen. Die Bemühungen der Berufsberatung und der Organisationen der Wirtschaft, die Industrie zur Aufnahme einer größeren Zahl von Praktikanten zu bewegen, hatten nur hier und da den gewünschten Erfolg. Die Bereitstellung einer entsprechenden Anzahl von Praktikantenstellen ist aber eine der Voraussetzungen zur Behebung des in der Öffentlichkeit und von den zuständigen Stellen beklagten Mangels an Ingenieuren. Vereinzelt wurde beobachtet, daß technisch interessierte und geeignete Jugendliche wegen fehlender praktischer Ausbildungsmöglichkeiten sich anderen, nichttechnischen Berufen zuwandten. Andere in dieser Weise enttäuschte Bewerber meldeten sich vorzeitig zum Wehrdienst, obwohl damit die Schwierigkeit, eine Praktikantenstelle zu erhalten, zunächst nur umgangen wird."

Die Aufnahme in eine Höhere Technische Lehranstalt ist ohnehin in vielen Fällen mit Schwierigkeiten verbunden. An manchen der Höheren Technischen Lehranstalten müssen die Anwärter bis zu drei Jahren auf die Aufnahme warten – ein Handikap, das manchen Begabten vom Studium abhalten mag. Immerhin ist man nun endlich energisch darangegangen, den Mangel an Studienplätzen zu beseitigen; ihre Zahl ist von 28 000 im Jahre 1956 bereits auf 36 000 im vergangenen Jahr gestiegen. Acht neue Ingenieurschulen sollen im Laufe der nächsten Jahre in der Bundesrepublik errichtet werden.

Wird es soweit kommen, daß die Ausbildungsplätze in genügender Zahl vorhanden sein werden, nicht aber die Anwärter, weil die notwendigen Praktikantenstellen für sie nicht aufzutreiben waren?

Es ist wider jegliche Vernunft, wenn einerseits von der Industrie Klage erhoben wird, daß jährlich mehrere tausend Fachschul-Ingenieure und einige hundert Diplomingenieure zuwenig ausgebildet würden, und andererseits die Tatsache nicht wegzuleugnen ist, "daß technisch interessierte und geeignete Jugendliche wegen fehlender praktischer Ausbildungsmöglichkeiten sich anderen, nichttechnischen Berufen zuwandten".

Zwar hatten von den rund 34 000 Studierenden, die im Wintersemester 1958/59 an einer der 78 Ingenieurschulen des Bundesgebietes eingeschrieben waren, mehr als zwei Drittel als berufliche Vorbildung eine abgschlossene Lehre. Aber immerhin mußten rund 22 vH, weil sie keine Lehre nachweisen konnten, vor Beginn des Studiums eine Praktikantenzeit absolvieren. Da in den nächsten Jahren Angehörige der relativ geburtenstarken Jahrgänge mit Abitur aus der Höheren Schule abgehen werden, kann mit einem – gewiß wünschenswerten – Andrang von Abiturienten zu den Ingenier-Fachschulen gerechnet werden. Es sollte nicht an der Praktikantenzeit scheitern, daß diese jungen Leute einige Jahre später der Industrie als Ingenieure zur Verfügung stehen.

Ein anderes, nicht gelöstes Problem ist die finanzielle Sicherung des Studiums. Das läßt sich den Ergebnissen einer Erhebung über die soziale Lage der Studierenden an höheren Fachschulen, die 1958 vom Sozialamt des Deutschen Bundesstudentenringes durchgeführt wurde, entnehmen. Zwar verfügten von den Studierenden an Ingenieurschulen mehr als die Hälfte über ausreichende Mittel für Studium und Lebensunterhalt. Untersucht man jedoch die Herkunft der Mittel, so stößt man auf wenig erfreuliche Erscheinungen.