Theo Sommer: "Endspurt zum Weißen Haus", ZEIT Nr. 45

Theo Sommer läßt den Meinungsforscher Gallup "die Flinte der Prophetie ins Korn werfen". Gallup tat aber sehr weise das genaue Gegenteil. Denn – die "Flinte ins Korn werfen" bedeutet nicht, die Waffe unmutig in ein Getreidefeld oder – für USA – in eine Maispflanzung fallen lassen, sondern sie mit jähem Entschluß so anzulegen und so zu zielen, daß das nahe der Mündung des Flintenlaufs aufgesetzte Korn im Einschnitt des Visiers erscheint. Dann ist das Ziel "aufs Korn genommen". Die volkstümliche Verdrehung dieser bildlichen Wendung wird man aber ebensowenig wieder beseitigen können, wie das gemächliche Traben des Amtsschimmels, obwohl dieser die ungestört ruhenden Akten durchsetzende Schimmel wahrscheinlich mit dem Penicillin verwandter ist als mit den Einhufern.

Dieser Hinweis will aber nicht besagen, daß es hier in England keine anderen Sorgen gäbe,

Eduard, Rosenbaum, London

Wie schön, daß Mr. Gallup offenbar den wahren Sinn des Wortes gekannt hat. Wir haben selbst in der deutschen Fachliteratur nicht so eine schlichte Erklärung gefunden, wie Sie sie geben – noch nicht einmal in dem Buch "Die sprichwörtlichen Redensarten im Deutschen Volksmund" von Borchardt-Wustmann-Schoppe, erschienen bei Brockhaus, Leipzig 1955.

Dort nämlich steht unter "Flinte" nur:

"Die Flinte ins Korn werfen", ‚eine Sache entmutigt aufgeben‘. Die wohl auf die Zeit der Söldnerheere zurückgehende Redensart ist erst spät bezeugt; Campes Wörterbuch bucht sie 1808 noch nicht, wohl aber das Grimmsche 1862. Sie stammt von dem zum Schlachtfeld gewordenen Kornfeld und entspricht lateinischen Wendungen wie ‚hastam abjicere‘, die Lanze wegwerfen, bildlich ‚alles verlorengeben‘ (bei Cicero), ‚clavum abjicere‘, das Steuerruder fahrenlassen, – Der Ausruf: ‚Himmel, haste keene Flinte?‘ (mit der Fortsetzung: ‚Schief; mir tausend Daler vor!‘) dürfte aus einem altberlinischen Couplet in die Umgangssprache gedrungen sein." DIE ZEIT