Was von der Preußischen Staatsbibliothek übrigblieb

er, Berlin

Die Preußische Staatsbibliothek, 1659 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm gegründet, zählte einst zu den führenden Bibliotheken der Welt. Im Buchbestand wurde sie lediglich von zwei amerikanischen Bibliotheken, der Pariser Nationalbibliothek und der Bibliothek des Britischen Museums in London übertroffen. Die Bücher waren jedermann zugänglich. Eine Million Bestellungen jährlich wurden vor dem Kriege registriert. Sie kamen aus allen Ländern der Erde.

Heute ist der gewaltige Komplex, der das Geviext zwischen Linden und Dorotheen-Straße, Charlotten- und Universitätsstraße einnimmt, eine geistige Ruine. Die eindrucksvolle Hülle, 1905 bis 1914 von Ernst von Ihne erbaut, hat den Krieg überstanden, aber hinter der ehrwürdig Fassade betreibt das Pankower Regime seine politischen Geschäfte. "Wir sind ein Zentrum sozialistischer Bewußtseinsbildung", erklärte mir ein Bibliothekar die gegenwärtige Funktion der Bibliothek.

Im Jahre 1659 hatte die Preußische ein paar Räume im Schloß kaum gefüllt; 1780, zur "Königlichen Bibliothek" erhoben, zog sie um in die "Rokoko-Kommode", die Friedrich I. gegenüber der Staatsoper bauen ließ; erst in unserem Jahrhundert, kurz vor dem Ersten Weltkrieg, fand sie Unter den Linden ihr Heim.

Des Kurfürsten Atlas

Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil des Bestandes – fast zwei Millionen Bände – verlagert. Er bildet heute die "Westdeutsche Bibliothek, ehem. Sammlungen der Preußischen Staatsbibliothek in Marburg. Vom alten Bestand der Preußischen waren nach Kriegsende eineinviertel Millionen Bände in Berlin geblieben. Zu den wertvollsten Stücken, die sich heute Unter den Linden befinden, zählt der Atlas des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, der 38 Karten im Format 1,75 x 2,20 enthält und rund 250 Pfund wiegt.