Mübersehen, daß er nicht nur Bundesminister für die Landwirtschaft, sondern zugleich auch für die Ernährung und damit auch für die Verbraucher ist. Er wollte offensichtlich mit seiner Bemerkung über den zu niedrigen Butterpreis seinen Bauern "ein wenig nach dem Munde reden". Und das ging schief.

letzten Tagen landab — landauf zu hören war, hat ihm und seinen Bauern deutlich gezeigt, daß die Verbraucher nicht gewillt sind, sich das Quentchen Marktwirtschaft, das auf dem Buttersektor noch wirksam ist, auch noch wegnehmen zu lassen. Gewiß, der Butterpreis ist in diesem Jahr, nach der künstlich hochgeschraubten Rekordhöhe der letzten "Dürre" Periode, maßvoll wie schon seit langem nicht mehr; "marktgerecht" ist er aber in Anbetracht der hohen Vorräte, die auf den Markt drängen, immer noch nicht. Rund 25 0001 Butter hat die Vorratsstelle gegenwärtig auf Lager. Und der Verbrauch stagniert. Die Milchanlieferungen gehen im Augenblick zwar etwas zurück, insgesamt gesehen ist aber die Erzeugung höher als in den Vorjahren. Hinzukommt, daß ab Mitte Dezember, wenn die Abkalbungen beginnen, mit einem weiteren Ansteigen zu rechnen ist.

Nachfrage bei einer ständig steigenden Milchanlieferung — und damit auch Buttererzeugung — die Preise unter Druck geraten, kann doch niemanden verWwndern. Und die Produktion wird sich weiter erhöhen, zumal die Milch und die inister Schwarz hatte bei seiner Rede auf dem Kreisbauerntag in Flensburg Der Entrüstungssturm, der in den Daß nach dem Gesetz von Angebot und Milchwirtschaft mit insgesamt 463 Mill. DM auch :m kommenden Jahr subventioniert werden wird. Lediglich 10 Mill. DM hiervon sind für die Schulmilchspeisung vorgesehen, also gewissermaßen als Absatzförd;rung. Alles andere dient zur Hebung der Erzeugung, obwohl — wenn nicht schon jetzt, dann bestimmt aber in Kürze — bei Milch und Butter am Bedarf vorbeiproduziert wird.

Nichts hätte also näher gelegen, als endlich einmal ein deutliches Wort über die so dringend notwendige Absatzwerbung für Trinkmilch und Butter zu verlieren, und die Bauern und ihre genossenschaftliclien Molkereien zur Eigeninitiative aif diesem Gebiet aufzurufen. Weder Minister Schwarz noch der Deutsche Bauernverband haben jedoch in dieser Richtung bisher etwas verlauten lassen. Dafür hat das Bauernverbandspräsidium bei seiner letzten Sitzung am 11. November — am Beginn des rheinischen Karnevals — ernsthaft vorgeschlagen, 5000 t Auslandsbutter aus der Berlinreserve zu reexportieren, um so den Angebotsdruck zu vermindern. Nach welchen Ländern und auf wessen Kosten das erfolgen soll, diese Fragen wurden wohlweislich nicht beantwortet. Außerdem, so ließ das Präsidium weiter verlauten, könne man ja auch ervägen, "verstärkt Vollmilchpulver herzustellen und dessen Export mit Bundesmitteln (sprich Steuergeldern) zu unterstützer".

Der Steuerzahler soll also zuerst einmal durch laufende Subventionen helfen, eine Überproduktion zu schaffen, und dann noch auf seine Kosten diesen Überschuß exportieren lassen. Das dürfte wohl etwas zuviel verlangt sein. H. Schlotter