Jenseits des Rheins“ heißt der Film, der teils diesseits, teils jenseits des Rheins im Zweiten Weltkrieg spielt, und diesseits und jenseits sind die Reaktionen darauf lebhaft. In der Bundesrepublik schienen sie positiver zu sein, was seine Tendenz angeht. Warum das nicht überraschend ist, werden wir gleich sehen.

„Die Tendenz des Cayatte-Films“, so schrieb die ZEIT, „ist auf deutsch-französische Verständigung und politisch-menschliche Lebensgemeinschaft gerichtet. Höchst sympathisch. Aber der Regisseur André Cayatte entgeht hier nicht der Gefahr des Klischees und der Weitschweifigkeit.“ In Frankreich nun haben „eine gewisse Zahl von Zuschauern“, die sich in ihrem Nationalgefühl gekränkt fühlten, getadelt, daß einer der Filmhelden, der während vieler Kriegsjahre in Deutschland gefangen war, sich nach seiner Befreiung nicht mehr in das französische Leben zurückfinden konnte und in das deutsche Dorf zurückkehrte, in dem er Kriegsgefangener war. Cayatte hat sich dazu in der Pariser Wochenzeitung „Express“ geäußert.

Eines Tages, so sagt er, habe man ihm die Geschichte von dem Manne erzählt, die er in dem Film wiedergibt. Zuerst habe er selber auch negativ darauf reagiert. Dieser Franzose sei ihm nicht sympathisch gewesen. Aber dann habe er sich die Geschichte umgekehrt erzählt: Was hätte er gedacht, wenn ein deutscher Kriegsgefangener nicht mehr nach Deutschland zurückkehren wollte und sich in Frankreich häuslich einrichtete? „Ich fand es normal und hatte mich damit selbst besiegt.“

Cayatte besuchte bald darauf den ehemaligen Franzosen in Deutschland. Dieser Mann stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie, für die es selbstverständlich war, den Deutschen als Erbfeind zu betrachten. So fand er es normal auszuziehen, um die Deutschen zu töten. Aber später, als Kriegsgefangener, hatte er sich in dem deutschen Dorf jenseits des Rheins so wohl gefühlt, daß ihm die Grenze zwischen den Ländern völlig absurd erschien. Er fühlte sich von einer falschen Vorstellung befreit. Das tat ihm wohl und erlöste ihn.

„Der Film müßte eigentlich ‚Der Weg in die Freiheit‘ heißen“, sagt Cayatte. Leider war der Titel schon vergeben. EM