Es sind gepflegte Bücher: anständig aufgemacht, bezaubernd illustriert (ein Sonderlob für Heiner Rothfuchs und F. J. Tripp), gut geschrieben. Trotzdem ist keines dabei, das mit roten Ohren und heißen Backen verschlungen werden muß, auch wenn am nächsten Tag eine Mathematikarbeit droht. Die Abenteuer können in Sonntagsanzügen bestanden werden, und die Streiche werden von Knaben ausgeheckt und nicht von und für Jungens. Zwischen den Zeilen merkt man das große Schielen, das Starren auf die Bestliste oder gar auf einen Jugendbuchpreis. Und so sind die Bücher anerkennenswert pädagogisch, ordentlich und sittsam, aber leider und deshalb ein bisserl fad.

Welchen Appetit und welche Vorfreude weckt

Anthony Buckeridge: „Fredys Hütte am Teich“, Textzeichnungen F. J. Tripp; Schaffstein Verlag, Köln; 223 S., 8,40 DM,

auf ein paar Stunden nach Herzenslust zu schmökern und noch mal ein kleiner Junge zu sein-, Und dann? Eine englische Internatsgeschichte, die genauso gut um die Jahrhundertwende geschrieben sein könnte, als die Knaben bekanntlich ja auch alle brav waren.

Aus der gleichen Zeit scheint

Josef Konrad Scheuber: „Trotzli der Lausbub“, Illustrationen von Rolf Totter; Benziger Verlag, Köln; 198 S., 6,80 DM

zu stammen. Hier ist die Moral penetrant, die Streiche sind dummerhaft bis grausam (wie die in liebevollem Schweizer Genrestil ausgemalte Todhetzerei eines Hundes), und alles ist mit milder christlicher Tunke Übergossen. Merkwürdigerweise ist es die im 46. Tausend stehende Neubearbeitung eines wohl früher noch schlimmeren Buches.