Von Martin Beheim-Schwarzbach

Ach, Teufel noch mal, was wollen Sie nun eigentlich!“ sagte der Mann in der Ecke. Nicht laut, er murmelte es nur, aber seine Gereiztheit war unverkennbar. Sein „Rundstück warm“ hatte er längst verzehrt, und der Rest des kleinen Hellen war auch schon schal, alles war schal, und er saß noch immer da in der hintersten Ecke der Kneipe und glotzte vor sich hin. Seine Zigarre war ausgegangen, und wenn man sie neu anzündete, würde sie bitter schmecken. Die Einsamkeit und Langeweile sprach aus jeder Falte seines verdrießlichen Gesichtes mit den scharfen Falten und den herabgezogenen Mundwinkeln. Nur die rassig geschnittene Nase und die wohlgewölbte Stirn waren noch von seinem Aussehen übriggeblieben.

„Sie haben ja keinen Menschen, das sieht man Ihnen an“, redete das Fräulein. Es hatte sich an seinen Tisch geschoben, hockte auf der Kante der Bank und spielte mit zwei fleckigen Bieruntersätzen.

„Na, und?“ entgegnete er gereizt. Er betrachtete sie nicht einmal. Sie trug einen Fuchskragen billigster Sorte um den Hals, sah mager und spitz aus, ältlich und grau, mit einem albernen Hütchen über dem strähnigen Haar. Doch eine „Solche“ schien sie auch wieder nicht zu sein.

„Ich nenne Sie immer Herr Edelmann“, brachte sie hervor, und da sie einen entsetzten Blick von ihm auffing, fuhr sie hastig fort: „Ich weiß, Sie heißen nicht so. Wie Sie heißen, weiß ich natürlich nicht. Ich nannte Sie aber immer so, damals, weil Sie bei Edelmann & Söhne arbeiteten. Es war eine Speditionsfirma. Sie waren Buchhalter oder so etwas. Es stimmt doch, oder?“

Es stimmte schon, doch schwieg er verstockt. Sie hatte sich jetzt etwas näher geschoben, und es war unverkennbar, daß sie betrunken war. Trotzdem war sie ihrer Bewegungen und auch ihrer Worte durchaus mächtig. Nur die ewige, alltägliche, hypnotische Schranke, die Hemmungen der Konventionen, die normale und schickliche Zurückhaltung war von ihr abgefallen.

„Ich war Serviermädchen an einem Mittagstisch“, sagte sie.