r. g., Stuttgart

Des Menschen Leben vollzieht sich heute in drei Sphären, in der seiner vier Wände, in der des Autos und in der des Arbeitsplatzes.

Über das Zuhause ist nichts weiter zu sagen, es ist nicht der Rede wert. Wie sehr der Aktionsradius des Autos die häuslichen Möglichkeiten in den Schatten stellt, wird dadurch hinlänglich beleuchtet, daß ich schon nicht weiß, ob das künstliche Lagerfeuer fürs Camping mit Sechs-Volt-Birne und Rauchpatrone eigentlich ein Witz oder schon Wirklichkeit ist.

Das, was dem Menschen noch ein gewisses Gefühl der Ortsgebundenheit gibt, ist sein Arbeitsplatz, sofern der Mensch nicht Zirkusdompteur oder Schiffskoch ist. Und da ist eine merkwürdige Beobachtung zu machen: Je mehr der häusliche Bereich durch das Automobil – oder besser: durch das mobile Auto zurückgedrängt wird, desto mehr übertragen sich die häuslichen Gewohnheiten auf das Leben im Beruf. – Das reicht vom Photo des Jüngsten auf dem Schreibtisch bis zur völligen Verwechslung der Sekretärin mit der Ehefrau.

Ich bin neulich darauf gekommen, als wir uns eine Kaffeemühle zulegten. Es hatte so harmlos angefangen: erst nahmen wir an warmen Tagen eine Flasche Sprudel mit ins Büro oder auch eine Flasche Bier. Weil wir es aber angenehm fanden, Sprudel aus einem Glas zu trinken, wurden Gläser angeschafft.

Im Winter beschlossen wir, unseren Kaffee selbst zu brauen. Wasser und Strom lieferte der Betrieb; es bedurfte nur der Anschaffung eines Topfes und eines Tauchsieders. Die Leitz-Ordner wurden beiseite gerückt. Aber bald mußte ein ganzes Fach ausgeräumt werden; es waren zur Kaffeebüchse gekommen: Tassen und Teller, Löffel und Messer, Milchbüchse und Zuckerdose, Milchbüchsenöffner und Zuckerzange, Kaffeefilter und -papiere.

Reihum wurde der Kaffee bezahlt, der gemahlene. Bis es einem einfiel, daß es barbarisch sei, gemahlenen Kaffee stehenzulassen. Frisch gemahlen muß er sein – und so wurde eine Kaffeemühle angeschafft, eine elektrische, denn wir sind ein rationelles Büro.