In der Sowjetunion erzählen sich die Menschen derzeit die Geschichte vom Agitatoren Petrow. Petrows Beruf ist es, an Hand des periodisch erscheinenden "Notizbuch des Agitators" Versammlungen abzuhalten. Auf seiner Fahrt kommt er auch in ein entlegenes ostsibirisches Dorf. Wie immer überschüttet er – getreu dem vorliegenden Text – seine Zuhörer mit Erfolgszahlen. Millionen Tonnen Kohlen, Millionen Tonnen Stahl. Millionen Tonnen Erdöl. Tausende Kilometer Eisenbahnschienen. Hunderttausende von Flugzeugen ...

Plötzlich hält er inne. Fett gedruckt steht es vor ihm: "Anmerkung. Genosse Agitator! Lies nicht nur die angegebenen Zahlen vor! Bring konkrete Beispiele!!!"

"Hunderttausende von Flugzeugen", wiederholt Petrow noch einmal zögernd. Krampfhaft sucht er nach einem konkreten Beispiel. Dann kommt ihm die Erleuchtung. "Genossinnen Kollektivbäuerinnen!", ruft er erfreut aus, "gegen Ende des Siebenjahresplanes werden wir. so viele Flugzeuge haben, daß jeder von euch ein Flugzeug bekommt!"

"Aber wozu brauchen wir denn ein Flugzeug?", unterbricht ihn eine Kollektivbäuerin.

"Was heißt, wozu braucht ihr ein Flugzeug?", antwortet Petrow gekränkt. "Stellt euch doch bloß einmal vor: Hier sitzt ihr im fernen Sibirien und hört, daß man in Kiew Streichhölzer ohne Schlangestehen bekommt. Da setzt ihr euch einfach ins Flugzeug und fliegt hin!"

Die Geschichte vom Agitatoren Petrow enthält natürlich ein Körnchen Wahrheit. Der Widerspruch zwischen den wirtschaftlichen und technischen Erfolgen in manchen Industriezweigen und dem gleichzeitig noch immer akuten Mangel an primitivsten Gegenständen des täglichen Bedarfs ist keineswegs beseitigt. Es gibt denn auch nicht wenige Sowjetbürger, denen Sputniks, Atom-Eisbrecher, Mondraketen und die Düsenmaschinen TU 114 ziemlich egal sind. Sie wollen keine neuen Himmelskörper – sie wollen lieber mehr Gebrauchsgegenstände. In den letzten Monaten mußte sich die Sowjetpresse mehrmals mit dieser Stimmung auseinandersetzen.

So brachte Sowjetskaja Rossija, das Blatt des ZK-Büros für die RSFSR, einen Leserbrief von Shanna Swinarenko, einer Bibliothekarin aus Archangelsk im hohen Norden der Sowjetunion: "Jetzt habe ich genug. Ich hab genug gesehen, wie die Menschen leben. Es fehlt an allem ... Statt Sputniks zu starten, sollten sie sich lieber um die ländlichen Gebiete kümmern "Sie" – das sind die "Oberen" die Natschastwo, die Führung ...