Was sind Berichtigungsaktien?

In den Börsenberichten ist immer wieder von sogenannten Berichtigungsaktien die Rede, Was sind Berichtigungsaktien und was besagt der Ausdruck „ex Berichtigungsaktien“? R. R., Wilhelmshaven

Antwort: Berichtigungsaktien ist die Bezeichnung für jene Aktien, die auf Grund des Gesetzes über die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln und über die Gewinn- und Verlustrechnung vom 23. Dezember 1959 ausgegeben werden. Die Berichtigungsaktien segeln auch häufig unter der Flagge „Gratisaktien“, ein Ausdruck, der allerdings leicht den Eindruck entstehen läßt, daß hier etwas verschenkt wird. Das ist keineswegs der Fall, auch wenn die Aktionäre, an die Berichtigungsaktien ausgegeben werden, nicht für sie gesondert zu bezahlen brauchen.

Wie schon das Gesetz sagt, geht der Ausgabe von Berichtigungsaktien an die Aktionäre eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln voraus. Das geschieht durch Umwandlung von Rücklagen in dividendenberechtigtes Aktienkapital. Seit der Währungsreform ist bei den meisten deutschen Aktiengesellschaften „thesauriert“ worden, d. h. die Gewinne wurden zu einem großen Teil in der Gesellschaft belassen und nicht ihren Eigentümern, den Aktionären, in Form von Dividenden zur Verfügung gestellt. Die Unternehmen haben die einbehaltenen Gewinne voll versteuert, zum Teil sogar höher, als wenn sie an die Aktionäre verteilt worden wären. Der Hauptvorteil für die Gesellschaften lag bei dieser Bilanzierungsweise in der Tatsache, daß sie ein kleines Aktienkapital behielten, auf das sie Dividenden zahlen mußten, dagegen mit den Rücklagen zinsfrei arbeiten konnten.

Inzwischen hat sich das Wirtschaftsleben konsolidiert und die Unternehmen haben sich in ihrer Mehrzahl ein solides Fundament geschaffen. Sie sind in der Lage, nunmehr ein höheres Aktienkapital angemessen zu verzinsen. Deshalb erhöhen sie ihr Kapital aus Gesellschaftsmitteln, also mit Hilfe der bereits voll versteuerten Rücklagen, die im Grunde doch Eigentum der Aktionäre sind, auf die sie aber bislang keine Dividende bezogen haben. An Stelle von jenen Rücklagen, mit denen das Aktienkapital aufgestockt wird, besitzen sie künftig mehr Aktienkapital. Praktisch nur eine Umbuchung, die an den Besitzverhältnissen nichts ändert. Man paßt lediglich die Höhe des Aktienkapitals den konsolidierten Verhältnissen an, „man berichtigt“. Der Aktionär wird dadurch nicht ärmer oder reicher, der Vorteil dieses Schrittes liegt für ihn lediglich in dem Umstand, künftig über ein höheres dividendenberechtigtes Kapital zu verfügen. Das ist wiederum nur dann ein Vorteil, wenn die Gesellschaft auch nach der Ausgabe von Gratisaktien (also nach der Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln) an den bisherigen Dividendensätzen festhält. Nur dann erhält der Aktionär eine bessere Rendite seines Besitzes. Für die Gesellschaft ist der für die Ausschüttung zur Verfügung zu stellende Betrag natürlich größer.

Die zu erwartende höhere Rendite war der Grund, warum die Aktien solcher Gesellschaften, bei denen Berichtigungsaktien verteilt werden sollten (oder bei denen man eine solche Maßnahme vermutete), in der Vergangenheit kräftig gestiegen sind. Wenn nun die Berichtigungsaktien ausgegeben werden, muß das den Börsenkurs natürlich beeinflussen.

Nehmen wir folgendes Beispiel: Eine Gesellschaft, deren Aktienkurs auf 1000 vH steht, erhöht ihr Kapital aus Gesellschaftsmitteln von 10 auf 20 Mill. DM. Dann verdoppelt sich die Anzahl der umlaufenden Aktien. Die einzelne Aktie kann künftig also nur noch den halben Wert haben als bisher, denn am Vermögen des Unternehmens hat sich durch die Umbuchung nichts geändert. Theoretisch .müßte der Kurs nach der Ausgabe der Berichtigungsaktien auf 500 vH zurückfallen. Daß es in der Praxis oftmals nicht so „genau“ zugeht, liegt an den Marktverhältnissen des einzelnen Papiers und an der jeweiligen Börsentendenz.

Die Börse legt fest, ab wann die Aktien der betreffenden Unternehmen „ex Berichtigungsaktien“ notiert werden. Der Käufer, der dann eine Aktie kauft, hat keinen Anspruch mehr auf Berichtigungsaktien. Er kauft dafür entsprechend billiger. Also die gleiche Regelung wie bei „ex Dividende“ (der Käufer hat keinen Anspruch mehr auf die Dividende) oder „ex Bezugsrecht“ (keinen Anspruch mehr auf das Bezugsrecht).