Vom 15. bis 18 November fand in der Berliner Kongreßhalle, veranstaltet vom Kulturkreis Berlin, der "6. Internationale Kongreß der Schriftsteller deutscher Sprache" statt ("Stanztechnik oben, Dichter unten", dirigierte der Pförtner), eine Versammlung von über zweihundert Federführern und Federfuchsern, von denen ein gut Teil offenbar selbst heute noch Schwierigkeiten hat, einen Verleger zu finden.

Höhepunkte der Veranstaltung: das Temperament, mit dem Dr. J. C. Witsch bewies, daß starke Verlegerpersönlichkeiten heute die Autoren oftmals in den Schatten stellen (besonders eindrucksvoll seine Worte, daß die Partnerschaft zwischen Autor und Verleger eine der Qualität und nicht der Disqualität sein müsse); ferner eine stundenlange Diskussion um den Kitsch, in der das Wort in feierlichen Reden wie eine ernsthafte literar.sche Kategorie und nicht wie ein Schimpfwort, mit dem man seinen jeweiligen Gegner treffen will, behandelt wurde; und vor allen Dingen eine Podiumsdiskussion unter jungen Lyrikern (von Walter Höherer vorbildlich geleitet), in der es den vereinten Kräften von Günter Graß, Peter Rühmkorf und Rudolf Hartung nicht so recht gelang – obwohl sie doch so siegesgewiß ausgezogen waren und die meisten Sympathien auf ihrer Seite hatten –, eine Bresche in die durchreflektierte Systematik der Artikulationspoetik von Franz Mon zu schlagen.

Diese unerwartet selbstsichere, bescheidene und standhafte Verteidigung der "movens"-Experimente war das Hauptereignis der Diskussion und der ganzen Tagung, und da man sieschon fast der Lächerlichkeit preisgegeben sah, war diese Wendung verblüffend genug. Z.