Das Familienministerium rührt sich nicht

Beide, das Bundesfamilienministerium wie der Arbeitskreis für Jugendschrifttum, schweigen her zu den schweren Vorwürfen, die wir in der zten Nummer der ZEIT gegen sie erhoben haben, nachdem sie dem jungen französischen Schriftsteller Michel del Castillo den Sonder-Jugendbuchpreis erst zuerkannten und dann aus fadenscheinigen und unzulänglichen Gründen vorenthielten.

Bekannt wurde nur, worauf sich der Plagiatsvorwurf gegen del Castillo eigentlich stützte: auf ein zunächst in Tanger erschienenes und 1959 von der spanischen katholischen Wochenzeitung Estafeta Literaria nachgedrucktes gefälschtes Interview mit del Castillos. Mutter, ein Dokument im übrigen, welches das Bundesfamilienministerium (das angeblich von nichts wußte und der unabhängigen Jury volle Freiheit ließ) dem Arbeitskreis für Jugendschrifttum kurz vor der Preisverleihung selber in die Hände spielte.

Del Castillos Mutter erklärte inzwischen, daß von einer Mitwirkung an der "Elegie der Nacht" keine Rede sein könne. Ihr Sohn war lediglich die Druckfahnen des fertigen Werkes mit ihr durchgegangen, "weil doch, sehr heikle Dinge über sie darin stehen".

Der Plagiatsvorwurf wäre damit – es war nicht anders zu erwarten – ein für alle Mal entkräftet. Wir warten gespannt darauf, ob sich das Bundesfamilienministerium nicht doch noch bemüßigt fühlen wird, irgendeine Erklärung abzugeben – und vor allem dafür zu sorgen, daß Michel del Castillo seinen Preis schleunigst erhält. Dieter E. Zimmer