In Frankfurt haben am 19. November 21 deutsche Schriftsteller und Dichter eine Erklärung unterzeichnet, nach der sie jede Mitarbeit am Programm des „Deutschland-Fernsehen“ verweigern. DIE ZEIT hat einige der Unterzeichner gebeten, ihren Boykott zu begründen; ihre Stellungnahmen werden wir demnächst veröffentlichen. Im folgenden bringen wir den Wortlaut der Erklärung:

Am 25. Juli 1960 hat Herr Fritz Schäffer mit der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Herrn Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, die Errichtung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung („Deutschland-Fernsehen“) vereinbart. Ohne vorherige Klärung der verfassungsmäßigen Rechte der Länder soll diese Gesellschaft ein zweites Fernsehprogramm vorbereiten und vom 1. Januar 1961 an ausstrahlen.

Sowohl die Entstehungsgeschichte als auch die bisherige Zusammensetzung der Aufsichtsgremien lassen erkennen, daß das „Deutschland-Fernsehen“ nicht mehr ein Publikumsorgan unter öffentlicher Kontrolle, sondern ein Instrument der Bundesregierung, der Regierungsparteien und wirtschaftlicher Interessengruppen sein wird. Die Unterzeichner dieser Erklärung lehnen deshalb jede Mitarbeit an diesem Programm ab. Da diese Institution die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland gefährden kann, bitten sie auch ihre Kollegen, sich dem Boykott der Deutschland-Fernsehen GmbH und deren Programm-Lieferanten anzuschließen. Sie verpflichten sich, vom Zeitpunkt ihrer Unterschrift an, ihr weder Texte noch Rechte an Texten zu überlassen und ihr jede redaktionelle oder dramaturgische Beihilfe zu verweigern. Die Autoren unter ihnen werden künftig ihre Verlagsverträge derart abschließen, daß die Fernsehrechte an ihren Arbeiten nur mit ihrer Zustimmung vergeben werden können.

Ilse Aichinger – Peter Hirche – Eva Müthel –

Herbert Asmodi – Walter Jens –

Hans Werner Richter – Heinrich Böll –

Uwe Johnson – Klaus Roehler – Günter Eich –