Hans Gresmann: "Die böswilligen Legenden vom Emigranten Brandt", ZEIT Nr. 44

Mit einiger Verärgerung las ich Ihren Artikel. Wenn man Willy Brandts Autobiographie liest, findet man überhaupt keine klare Antwort auf die fragwürdigen Punkte. Das ganze Buch ist ein schönes Durcheinander. Da schreibt er: "Wenn ich eben sagte, daß ich nicht religiös war, so meinte ich, daß ich dem organisierten Religionsbetrieb fernstand. Frömmelei war mir zuwider. Ich hatte während meiner frühen Schulzeit am Kindergottesdienst teilgenommen und war deshalb von Großvater nicht gerade gelobt worden, der sich den militanten Antiklerikalismus aus der Frühzeit der Sozialdemokratie bewahrt hatte. Auf dem Gymnasium begann ich mich sehr für Religionsgeschichte zu interessieren und hielt mich für einen Freidenker

Obwohl er sich für einen Freidenker hält, ist er jetzt scheinheilig genug, um beim Papst eine Audienz zu erzwingen. Damit möchte er aber nur den Christen seinen wahren religiösen Charakter verbergen.

In seinem Buch erfährt man weiter: "Normalerweise reiste ich mit einem norwegischen ‚Fremdenpaß‘, einem Ausweis, der – zumal wenn man ihn in eine schöne Hülle steckte – von einem richtigen. Paß kaum zu unterscheiden war. Den deutschen Grenzbeamten allerdings konnte das nicht genügen. Ein Studienkamerad half mir aus. Er war in meinem Alter und stellte mir seinen eigenen Paß zur Verfügung. Unser Paßexperte tauschte das Bild meines Freundes gegen das meine aus, ich lernte seine Personaldaten auswendig und übte mich so lange, seine Unterschrift nachzumachen, bis sie vom Original nicht mehr zu unterscheiden war."

Was soll man sich von einem zukünftigen Bundeskanzler denken, der Unterschriften fälscht? Konnte die SPD aber auch wirklich keinen fähi-

geren und einwandfrei deutschdenkenden Politiker als Nachfolger von Dr. Adenauer finden?

Maria Frank