stuck, Hamm

Wir können an Soldatengräbern nicht umhin, nach dem Sinn des Sterbens dieser Männer zu fragen. Sie sind mit all ihren Idealen – Tapferkeit, Ausdauer, Treue, Liebe, Vaterland – mißbraucht worden. Die sauberen Ideale dieser Jugend sind in sich verkehrt worden, sind mißbraucht worden für Unrecht, Unterdrückung und das Böse. Wir – die Lebenden – müssen darauf achten, daß nicht noch einmal Menschen kommen, die unsere Ideale und Werte bis zum Tode mißbrauchen." Der junge katholische Vikar, der diese Worte am Volkstrauertag auf dem Friedhof von Hamm in Westfalen sprach, machte verwundert eine Pause. Ein Mann zog ihn am Ärmel und schrie: "Hier werden keine politischen Reden gehalten. Das ist eine Totengedenkfeier."

Der da so ungestüm den Vikar Diers bedrängte, war einer der Veranstalter: Rektor a. D. Carriee vom "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge", 82 Jahre alt. Er befahl: "Schluß jetzt..." Darauf Vikar Diers: "Das ist mein Recht, hier so zu reden. Mein Vater ist auch gefallen... Carriee: "Das wissen wir längst..." Da verließ der Vikar das Rednerpult.

Rektor Carriee erklärte hinterher: "Es war ausgemacht, daß bei diesem Anlaß keine politischen Reden gehalten werden..." Tatsächlich hatte Carriee zwei Tage vor dem Vorfall Vikar Diers aufgesucht, weil dieser schon 1959 am Volkstrauertag die Rede gehalten hatte. Carriee meinte damals: "Reden Sie nicht wieder von KZ und so was ... Die Zeit ist vorbei, in der man über so was spricht..." Der Vikar dagegen erklärte, es sei doch – besonders an einem solchen Tag – des Nachdenkens wert, ob unser Volk seine Schuld erkannt und angenommen habe. Die zwei kamen nicht überein. Vikar Diers: "Dann müssen Sie sich einen anderen Redner suchen ..." Dazu war aber wohl keine Zeit mehr.

Die Ratsherren der beiden großen Fraktionen von Hamm haben sich sofort hinter die Ausführungen des Vikars gestellt. Rektor Carriee dagegen: "Wir denken ... an die ungeheuren Leistungen unserer Soldaten in Rußland. Wir sehen den deutschen Soldaten vor uns, wie er sein Leben einsetzt für sein Vaterland und damit die höchste Leistung vollbringt, die von einem Menschen verlangt werden kann. Das alles wollen wir nicht verwischt sehen. In diesen Raum gehören keine politischen Gedanken. Hier steht nur eins: Das Vaterland ohne Rücksicht darauf, wie und von wem es regiert wird ..."

Geschwiegen haben bisher die Veranstalter. Es sind folgende Verbände:

Kameradschaft ehem. Pioniere und Verkehrstruppen;