Neue Schlacht in Polens Kirchenkampf

Einen harten Schlag versetzte die Gomulka-Regierung der katholischen Kirche Polens mit der Verordnung, die ab sofort zwei hohe kirchliche Feiertage zu Arbeitstagen degradiert: den Dreikönigstag (6. Januar) und den in Polen ganz besonders feierlich begangenen Mariä-Empfängnis-Tag (15. August). Die Regierung motiviert diesen Schritt damit, daß auf diese Weise eine jährliche Steigerung der industriellen Produktion von einer Milliarde Zloty erreicht werden könne.

Diese Begründung will den polnischen Katholiken allerdings nicht recht einleuchten. Sie wissen, daß die Partei über kurz oder lang die Fünftagewoche durchsetzen will, und sie fragen sich, wie das denn eigentlich werden soll, wenn der Staat nicht einmal auf zwei Produktionstage im Jahr verzichten kann. Entweder ist die Fünftagewoche ein ausgeklügelter Bluff, so sagen sie – oder die jüngste Maßnahme der Regierung ist ein wohlberechneter Zug in dem Kampf, den die Partei gegen die Kirche führt, um deren noch immer starken Einfluß in der Öffentlichkeit auszuschalten.

Dafür, daß es sich um einen wohlberechneten Zug handelt, spricht nun freilich ein Artikel, den alle Parteiorgane in der letzten Zeit abgedruckt haben. „Warum eigentlich Trennung von Kirche und Staat?“ war dieser Artikel überschrieben, dessen Autor praktisch die Umwandlung der Kirche in eine untergeordnete Staatsbehörde fordert und damit das bisher respektierte Recht auf die kirchliche Autonomie innerhalb des Staates anfocht. Im übrigen erscheinen fast täglich in den polnischen Blättern Angriffe gegen das Episkopat, gegen einzelne Geistliche oder gegen den Vatikan.

Zu all diesen Drangsalierungen hat jetzt der polnische Primas Kardinal Wyszynski in einer Predigt Stellung genommen. Zu der Feiertagsverordnung sagte er dabei:

„Wir sind alle sehr intensiv mit der Produktion von Gütern beschäftigt und betrachten die Produktion als unsere größte Tugend. Gewiß, sie ist notwendig; doch man sollte in diesem Produktionsfieber den Menschen nicht vergessen, der ja das Ziel der Produktion ist... Der Mensch ist wichtiger als die Sache und darf nicht zum Sklaven einer Sache werden; er darf auch nicht zum Sklaven eines anderen Menschen oder irgendeiner Obrigkeit werden, selbst wenn sie, wie es im Gemeinschaftsleben der Fall ist, ein Recht darauf hätte, seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Sie kann für das Allgemeinwohl die menschliche Arbeitskraft verlangen, darf dabei jedoch den Menschen nicht zum Sklaven machen.“ Jan Kurzok