b. k., Berlin, im November

Aus gutem Grund hat die kommunistische Berliner Zeitung jene "Westberliner Arbeiter und Mitglieder des DGB" in der Anonymität gelassen, die behauptet haben sollen, der Entwurf des neuen, jüngst veröffentlichten Arbeitsgesetzbuches für die Sowjetzone sei "ein Lehrbuch für die ganze deutsche Arbeiterklasse und ihre Gewerkschaften", und "noch nie" hätten die Arbeiter und die Gewerkschaften "solche entscheidenden Rechte wie heute in der DDR" gehabt.

Die Funktionäre des Deutschen Gewerkschaftsbundes täten gut daran, allen ihren Mitgliedern den Wortlaut dieses famosen Arbeitsgesetzbuches zur Kenntnis zu bringen und ihnen klarzumachen, wie das Gesetz, nach dem die Arbeiterbewegung einst angetreten ist, im Gebiet der Arbeiter- und Bauernmacht pervertiert wurde.

Da ist nichts mehr übrig vom Recht auf Streik, auf Freizügigkeit, auf den Achtstundentag. Es gibt nur noch das eine Recht, die Arbeit zu tun, die von der Partei als der "organisierten Vorhut der Arbeiterklasse" vorgeplant ist, und es gibt nur noch die eine Freiheit, die ganze Kraft für den Sieg des Sozialismus und die Planerfüllung einzusetzen. Den Lohn bestimmen die Funktionäre der Plankommission, das Recht bei Arbeitsstreitigkeiten sprechen Arbeitsrichter, die "der Arbeiter- und Bauernmacht treu ergeben" sein müssen, über die Zuweisung eines Arbeitsplatzes, an dem weniger verdient wird, bestimmt der Betriebsleiter, und der Werktätige hat sich widerspruchslos zu fügen.

Das sind die Ergebnisse der sogenannten "sozialistischen Errungenschaften", von denen die Funktionäre des Partei- und Staatsapparates in der Sowjetzone meinen, sie hätten eine faszinierende Wirkung auf die Arbeitnehmer im Bundesgebiet und überall in der "kapitalistischen" Welt.