Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Wie man sie auch nennt und was sie auch treiben: die eigens für sie hergestellten Mädchenbücher sind immer noch und immer wieder Bücher, die von jungen Mädchen handeln, mehr oder weniger pädagogische Lebenshilfen. Es ist schon schwer, jener seit der Kränzchenbibliothek vorgeformten Thematik ("X macht ihren Weg" oder "Y findet ihr Glück" oder – etwas moderner – "Z wird Mannequin") neue Variationen abzugewinnen. Dazu kommt die Vorsicht der Verlage, die lieber bei gefahrlosen Konventionen bleiben, lieber probate Übersetzungen bringen, als sich an Manuskripte zu wagen, die tatsächlich – und nicht nur in den beschwörenden Verlagsankündigungen – einen neuen Typ des Buches für junge Mädchen präsentieren.

So aber ist es für Eltern, Großeltern und Patentanten leicht wie immer, sich aus der Fülle dieser reinen Lesefutter-Literatur ein beliebiges Buch für den eigenen teenager herauszufischen – und schwer wie immer, in dieser fast unterschiedslosen Flut etwas zu entdecken, das dem jungen Menschen andere Dimensionen eröffnet.

Marianne Monestier: "Kawanga"; Hermann Schaffstein Verlag, Köln; 175 S., 7,50 DM

mit dem Untertitel "Begegnung und Entscheidung, ein Jugendroman" zum Beispiel ist ein Buch, in dem sich Sätze häufen wie: "Auf den Eisfeldern gibt es nichts als Schnee und Eis." Und in dem die Geschichte eines Eskimomädchens erzählt wird, das zwischen einem Eskimo und einem kanadischen Forscher glühende Rivalität entfacht. Erst als Kawanga krank wird und beide Männer mit ihr aus dem Lager fliehen, um sie in mörderischer, langer Fahrt durch die Eisfelder – siehe oben – und Blizzards zum Spital zu schaffen, erkennt der Kanadier, daß er doch nie ein rechter Eskimo werden würde, und verzichtet auf sie. Ein Jugendroman, der die Jugend ohne Umweg zur Leihbibliotheks-Literatur führt.

"... Die meisten der jungen Heldinnen stammen aus begüterten Familien ... Aber wo bleibt das Mädchen, das in die Fabrik geht? Vielen jungen Mädchen steht heute gar kein anderer Weg offen", sagt Helga Huth im Klappentext ihres Romans. Aber dieses Buch –

Helga Huth: "Der eigene Weg"; Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart; 177 S., 6,80 DM