Nun ist also Kasavubu in New York von dem zuständigen Ausschuß der UN als der legitime Vertreter seines Landes anerkannt worden. Interessant, daß von den afrikanischen Staaten neun für ihn, sechs gegen ihn waren. Für ihn trat die Mehrzahl der ehemals französischen Republiken ein. Gegen ihn und also für Lumumba stimmten Ghana, Guinea, Mali, Marokko, Togo und Nassers VAR.

Es ist zweifellos ein Fortschritt, daß sich die Mehrheit der UN endlich auf einen kongolesischen Chef geeinigt hat. Aber New York ist nicht der Kongo. Dort sind unterdessen Unordnung, Ungewißheit, Spannung und Erbitterung gewachsen. Blut ist geflossen. Wieder sind sieben Soldaten der UN-Truppe gefallen – diesmal nicht von wilden Stammeskriegern umgebracht, sondern von Mobutus Truppen im Gefecht getötet. Mobutus Stellvertreter ist dabei auch gefallen. So dezimieren die wenigen Ordnungselemente, die es heute im Kongo gibt, sich gegenseitig. Das wichtigste wäre, die kongolesische Armee, die sich bald von diesen, bald von jenen Interessen aufhetzen läßt, zu entwaffnen, damit die UN unangefochten für Ruhe und Ordnung sorgen kann. Aber dies ist ein Traum der Vernunft, der mit dem nationalen Prestige der Afrikaner schwer zu vereinbaren ist. Dff.