Von Hermann Kesten

Von der-Liebe handelt der italienische Roman von

Bonaventura Tecchi: "Die Egoisten"; Werner Classen Verlag, Zürich; 304 S., 15,80 DM.

Er handelt vom Egoismus der Liebenden, in der Ehe und in freieren Verhältnissen. Die Egoisten, das sind die Männer, die nicht genug lieben, die sich nicht hingeben können, die sich aufsparen, ihren Beruf mehr lieben als ihre Frau, sich selber mehr lieben als irgendeinen anderen Menschen.

Sie sind nicht einmal sinnlich genug, um sich auf die Sinnlichkeit ihrer Mädchen und Frauen zu verstehen.

Das ist ein erotischer Roman; die wunderbare altmodische Erotik wird exemplifiziert an Menschen von heute, an durchaus neumodischen Figuren. Es ist jene glühende Erotik mit schlechtem Gewissen, die wie eine Erfindung gewisser katholischer Dichter aussieht. Auch Bonaventura Tecchi gehört in diese Reihe katholischer Romanciers, wie Georges Bernanos und Graham Greene, wie Heinrich Böll, Luise Rinser und Elisabeth Langgässer.

Das sind sinnliche Autoren mit dem steckengebliebenen Traum von Heiligen und Kirchenvätern, mit der sehnsüchtigen Vorstellung von großen Sündern, die eines Tages umkehren und große Heilige werden.