Glück hat weder mit Ratio noch mit Moral etwas zu tun, es ist etwas seinem Wesen nach Magisches, einer frühen, jugendlichen Menschheitsstufe Zugehörendes. Hermann Hesse

Literarische Weihnachtsmänner

Ganz im Gegensatz zum vorigen Jahr, als André Schwarz-Barts Roman „Der Letzte der Gerechten“ alle anderen Bewerber um Frankreichs höchste literarische Ehrung, den Prix Goncourt, mit großem Abstand ausstach, fiel den zehn Juroren die Entscheidung diesmal sehr schwer. „In manchen Jahren sollte man zehn kleine Goncourt-Preischen vergeben und nicht einen großen“, stöhnte einer von ihnen (Armand Salacrou). Preisträger wurde der vierundvierzigjährige, in Rumänien geborene Schriftsteller Vintila Horia; sein Roman „Dieu est né en exil“ (Gott kam im Exil zur Welt) ist das fiktive Tagebuch Ovids aus den Tagen seiner Verbannung nach Tomi am Schwarzen Meer. Eine Auflage von 200 000 ist dem – wie man hört – recht harmlosen Werk sicher. „Es macht Spaß, einmal im Jahr den Weihnachtsmann zu spielen“, sagte Salacrou ebenfalls.

Sagan-Kriterium: Realismus

Dem Roman „Lieben Sie Brahms?“ von Françoise Sagan widmet die Moskauer „Literaturnaja gaseta“ eine ausführliche Kritik. Der Kritiker bedauert, daß die Heldinnen in den Büchern der „begabten Schriftstellerin“ mit der Autorin wenig gemeinsam haben. Freilich ist er guter Hoffnung: Man sehe, daß Françoise Sagan sich mehr und mehr jener Gesellschaft zuwende, aus der ihre Heldinnen bisher flüchteten ...

Wackrer Apotheker gesucht

„Machen Sie sich nichts draus – davon haben wir allein in Schleswig-Holstein mehr als tausend Fälle“, sagte einer von Deutschlands berühmtesten Dermatologen zu der Frau, die gekommen war, ihn wegen jener unschönen weißen Flecke im Gesicht zu fragen, für welche die Medizin bisher zwar einen Namen bereithielt – Pigmentstörung, Vitiligo – aber keine Kur. Die „Konsultation“ hatte genau dreißig Sekunden gedauert. Ein bißchen mehr Psychologie in den Anfangssemestern, und unsere erlauchten Mediziner wüßten, daß Entstellungen für eine Frau schlimmer sein können als manche Krankheit. In Amerika weiß man das. So blieb es einem amerikanischen Gelehrten – dem Yale-Professor Dr. Aaron B. Lerner – vorbehalten, ein Präparat aus den die Pigmentierung lenkenden Hormonen der Hirnanhangdrüse zu entwickeln und damit – wie er auf dem Ersten Internationalen Kongreß der Endokrinologen in Kopenhagen bekanntgeben konnte – bemerkenswerte Heilerfolge zu erzielen. Hoffentlich findet sich bald eine unternehmungsfreudige deutsche Firma, die dieses Präparat herstellt – oder importiert. Mehr als tausend Frauen in Schleswig-Holstein wären ihre dankbaren Kunden. Und in den übrigen Bundesländern ja wohl auch noch einige ...