FÜR Liebhaber von Gartenzwergen, Wolltieren, Nippesfiguren, kurz: für verwöhnte Freunde des Kitsches:

"Postkarten – Album ... auch eine Kulturgeschichte", liebevoll gesammelt und mit Text versehen von C. Lauterbach und A. Jakovsky; Verlag M. DuMont Schauberg, Köln; 190 Postkartenabbildungen u. 4 Seiten Text, 19,– DM.

ES ENTHÄLT... wer vermöchte das zu beschreiben: Poskarten, wie die oben abgiiaete, aus der Zeit unserer Eltern und Großeltern, drei oder vier auf einer Seite, in roten Plüsch gebunden: überdimensionale Abschiedswinker in den Fenstern abenteuerlicher Eisenbahnwaggons; unbekleidete Damen am Strand, mit und ohne Vögel auf den Beinen, mit und ohne Pfeile durch den Busen; Liebespaare in allen nur möglichen und juristisch einigermaßen vertretbaren Stellungen (die Post war da großzügig!); hingegebene Gesichter unter herrlichen Hüten; einen Napoleon, den man aus zwölf Karten zusammensetzen mußte; und wieder Liebespaare, im Park ("lächelnd hören sie das Lied der Vögel") oder im Bett (bekleidet und durch die Unterschrift als "verheiratet" ausgewiesen); Kinderlein in großer Zahl und just dort, wo, man sie erwarten würde: auf Bücherregalen, auf Vaters Armen, in den Gondeln von Fesselballons; gewagte Damengruppen vom Typ Genoveva, Europa, Lady Godiva; Grammophon und Telephon, sinnvoll kombiniert mit weiblicher Schönheit (die entweder aus dem Trichter guckt oder am Draht hängt); tollkühne Damens in Autos, Flugzeugen, Zeppelinen, Unterseebooten; Kaiser und Königinnen; abschiednehmende Soldaten ohne Furcht und Tadel ("Treues Lieb ich muß nun scheiden / Mich ruft fort des Seemanns Pflicht

Von daheim, von Glück und Freuden / Mir ja jede Stelle spricht") und das Laster der Etappe ("Die sich verkaufen", "Blonde Venus", "Kriegsgewinnler"); Mund-Deutungen (Grande bouche: sensualite) und die Sprache des Schnurrbarts (rechts nach oben zwirbeln: ich bin mir meines Erfolges sicher) und vieles, vieles andere höchst Lehrreiche und herrlich (da meistens vom "Künstler" ungewollt) Komische.

Indem noch einmal an die Leute erinnert sei, für die wir dieses Buch empfehlen, wobei wir voraussetzen möchten, daß es diesen Leuten nicht völlig an Humor gebricht, wagen wir schließlich, den obligatorischen dritten Teil unserer Empfehlung kurz zu machen:

ES GEFÄLLT, weil es das köstlichste Buch des Jahres ist. – a. f.