Viel verdanken wir der amerikanischen Hilfsbereitschaft, so viel, daß es schwer ist, sich im einzelnen über Umfang und Wirksamkeit so mancher Aktion Rechenschaft zu geben. Es wäre darum höchst bedauerlich, wenn die Amerikaner den Eindruck. gewonnen hätten, wir ließen sie – nun, da sie selbst in Schwierigkeiten geraten sind – ohne Dank und Gewissensbisse einfach sitzen.

Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon werden wohl diesen Eindruck mit heimgenommen haben, obgleich die amerikanische Presse die Schuld am Fehlschlag der Bonner Gespräche dem Verhandlungs-Ungeschick des US-Finanzministers zuschrieb und nicht etwa dem Geiz der Bonner Regierung. Anderson hatte sich in den politisch nicht akzeptablen Gedanken der Stationierungskosten (jährlich 2,5 Milliarden DM) geradezu verbissen und wies alle deutschen Alternativ-Angebote zurück: vorzeitige Rückzahlung deutscher Schulden – 3,4 Milliarden DM. Erhöhung des deutschen Beitrags zur NATO-Infrastruktur – etwa 100 Millionen DM. Übernahme von Entwicklungsprojekten, die die USA bereits zugesagt haben. Liberalisierungsmaßnahmen für Amerikas Einfuhr. Erhöhter Einkauf amerikanischer Waffen.

Man muß hoffen, daß die Verhandlungen mit neuen Partnern möglichst bald wieder aufgenommen werden – vielleicht wird sich dann auch zeigen, daß die Bereitwilligkeit, tief in die Tasche zu greifen, größer ist, wenn es sich darum handelt, einer neuen Regierung gefällig zu sein, als wenn es darum geht, sich einer scheidenden erkenntlich zu erweisen. Dff.