Wo bleibt – bei allem unseren Fortschritt – der Mensch?" – dies wird im Getriebe des modernen Lebens zu einer so verzweifelten Frage, daß man sie etwas weniger fein so ausdrücken könnte: "Wo zum Teufel findet man noch den Menschen, nicht Stoßstange an Stoßstange, sondern Auge in Auge wie in früherer Zeit?"

In der Tat, seine Pervertierung in allem, was ihm von Natur aus zumutbar war und immer noch ist, wirkt sich immer schlimmer aus. Der Mensch, der lernende, der geruhsame Beobachter, er war einst ein helläugiger Schafhirt auf einer abendlichen Wiese, der zusah, wie die Sterne aufgehen, und der mit feinem Blick feststellte, daß einige von ihnen offenbar weit entfernt und feststehend waren, andere näher und in Bewegung: die Planeten. Ohne Terminplan und Forschungsstipendien sah er friedlich zu, wie die Bäume Knospen, Blüten und Früchte trugen.

Wo sitzt dieser Mensch, der lernende, der wißbegierige, aber stille Entdecker heute? Bemüht er sich aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz, doch noch einen Parkplatz zu entdecken – und auf welchem Teil des ungeheuren, überfüllten Universitätsgeländes, auf dem überall Vorlesungen und Übungen stattfinden? Die Universität Kalifornien in Los Angeles mit ihren 42 000 Studenten zum Beispiel hat nur für 7000 verchromte Straßenkreuzer und Nuckelpinnen Platz. Ist die friedliche Vermittlung von Weisheit verschwunden und die Forschung so verstopft wie die Autobahn samt aller ihrer Auffahrten? Die vorsokratischen Philosophen und Platon hatten keine Parkplatzsorgen, die ihre Schüler vom Lernen abhalten konnten, und so hatten sie auf viele stabile Jahre hin Erfolg.

Stadtplanung und Architektur sind der sichtbare Maßstab für die Probleme, die sich aus Bevölkerungsdichte und Massentransport zu Arbeitsstätten ergeben. Sie verbreiten sich über die ganze Erdkugel, die der schnelle, schallschnelle Verkehr (und die Werbung für eine immer stärkere Beschleunigung) hat zusammenschrumpfen lassen.

Häuser vom Fließband

Auf der anderen Seite des politischen Vorhangs ist der Kommunist "ein Individuum, das kein Individualist ist". Derjenige, für den man in Kiew, Peking oder Moskau baut, ist eine gesichtslose statistische "Gemeinschaft". Die Aufgabe heißt, fünfhundert. Millionen Quadratmeter Wohnraum zu schaffen, von der Sorte "das Beste für die meisten", drei Quadratmeter pro Kopf dieses Jahr, im Rahmen eines Fünfjahrplans, der für das folgende Jahr eine zwanzigprozentige Erhöhung der Quadratmeterleistung und zwei Steckdosen pro Küche mehr vorschreibt – das alles hoffentlich bei einer Senkung der Herstellungskosten um achteinhalb Prozent, genau wie ausgerechnet und vorgesehen.

Auf unserer Seite der politischen Trennwand haben die Amerikaner seit hundert Jahren im Lande der Prärien Unternehmen gegründet, Unternehmen mit Geschäften, Kantinen und Arbeiterunterkünften oder ohne, Unternehmen, die höchst sinnreich finanziert werden und die nur der verwegenste Massenbürokrat in der Hand zu behalten versteht, Unternehmen, deren Gewinne nur der noch gewitztere Politiker fortleugnen kann wenn er ein wirkungsvolles Wahlprogramm benötigt.