3. Farbig persönlich. Der Rezensent wendet sich als „ich“ an das „Sie“ seiner Leser; er verzichtet darauf, das Werk von seinem Autor (und seinem Beurteiler!) ganz loszulösen.

Hauptvorzug: Der Zusammenhang zwischen Leben und Literatur wird bestehen gelassen – was sowohl aufrichtig wie interessant sein kann.

Hauptnachteil: Das Buch dient möglicherweise nur noch als Vorwand zur Selbstbespiegelung des Rezensenten oder zur Charakterisierung (Beweihräucherung, Verunglimpfung) des Autors.

Unmittelbarer Anlaß zu unseren Überlegungen waren Leser-, Verleger-, vor allem aber Autoren-Reaktionen auf Buchbesprechungen in der ZEIT. Besonders anregend wirkten da offenbar: Robert Neumann über Alfred Anderschs „Die Rote“ (ZEIT Nr. 44); Petra Kipphoff über Carl Zuckmayer und die neue Ausgabe der Werke bei S. Fischer (ZEIT Nr. 42); Rudolf Walter Leonhardt über Eckart Kronebergs „Der Grenzgänger“ (ZEIT Nr. 43); Günter Blöcker über Martin Walsers „Halbzeit“ (ZEIT Nr. 45).

Diese Bücher und diese Besprechungen zogen, wie der Komet seinen Schweif, nicht endenwollende Korrespondenzen nach sich und Diskussionen innerhalb der ZEIT-Redaktion, im Freundeskreis, unter Lesern; zuletzt in langen Nächten anläßlich des Treffens der Gruppe 47 in Aschaffenburg. Bei den meisten dieser Diskussionen habe ich es bedauert, daß sie nicht öffentlich geführt werden konnten.

Noch ein paar persönliche Anmerkungen zu den drei Möglichkeiten:

1. Nüchtern sachlich. Dazu fällt mir nichts ein. Ich würde jede Rezension eines Mitarbeiters der ZEIT, die darauf hinzielte, mit Freuden abdrucken – obwohl ich es eigentlich für verlorne Liebesmüh halte; obwohl ich darin eine unheilvolle Verwechslung von Literaturwissenschaft und Literaturkritik sehe; obwohl ich dahinter Bemühungen um eine Quadratur des Kreises fürchte; obwohl weder Autoren noch Rezensenten gern damit einverstanden sind, daß (was doch eigentlich eine logische Konsequenz dieser Art von Buchbesprechungen wäre) ihre Namen nicht genannt werden.