2. Farbig sachlich. Ich bin mir klar darüber: Dies muß, nach wie vor, die üblichste Art der Buchbesprechung sein. Jeder Redakteur weiß allerdings, daß etwa die Hälfte der von ihm zu verantwortenden Rezensionen von „persönlichen“ Faktoren (Neigung, Abneigung, Interesse oder Interessen, Rücksichten) nicht völlig frei sein kann, und er wird von Fall zu Fall zu entscheiden haben, ob er dennoch eine Besprechung verantworten möchte, die solche Faktoren enthält, ohne sie beim Namen zu nennen.

3. Farbig persönlich. Von dieser Möglichkeit halte ich mehr, als einem „seriösen“ Freund der Literatur guttut. Theoretisch spricht mir alles dafür. Die Buchbesprechungen, die ich am interessiertesten lese – sei es in der amerikanischen Time oder in den englischen Sonntagszeitungen oder im deutschen Monat – sind in dieser Art geschrieben. Freilich stehen ihr auch mancherlei Bedenken entgegen: 1. muß man für eine solche Besprechung, wenn sie nicht ganz unzulänglich sein soll, mehr Platz haben, als üblicherweise von der Redaktion einer Zeitung für die Besprechung eines einzelnen Buches freigegeben werden kann; 2. – ich wies bereits darauf hin – besteht die große Gefahr, daß das Persönliche, gerade weil es so viel Interesse auf sich zieht, überhandnimmt; nicht mehr Einordnungsmittel, sondern Selbstzweck wird, zu Mißbrauch verführt und auf einmal Absichten dient, die ganz außerhalb der Literatur liegen.

Keine der drei Möglichkeiten der Literaturkritik will mir als die schlechterdings beste oder gar die einzig vertretbare erscheinen. Jede davon ist, denke ich, brauchbar – und mehr als das – wenn derjenige, der von ihr Gebrauch macht, sie mit Takt und Verständnis und Liebe zu brauchen weiß – das notwendige Talent freundlich vorausgesetzt: Takt gegenüber dem Autor, Verständnis für seine Leser, Liebe zur Literatur. Der Liebe zur Literatur jedoch gebührt bei einem Konflikt der Loyalitäten der erste Platz; sie kann es rechtfertigen, daß auf den Autor oder auf das Verständnis für die Leser keine Rücksicht mehr genommen wird.