Von Hans Wenke

Der Wissenschaftsrat hat am 25. November den ersten Teil seiner „Empfehlungen zum Ausbau der wissenschaftlichen Einrichtungen“, der die „Wissenschaftlichen Hochschulen“ betrifft, in einem umfangreichen Band von 535 Seiten vorgelegt. Er enthält allgemeine Richtlinien sowie ins einzelne gehende Pläne für die Entwicklung jeder Hochschule. In dieser Verbindung und Durchdringung des Allgemeinen und Besonderen unterscheiden sich die Darlegungen aufs vorteilhafteste von vielen Manifesten zur Hochschulreform, die sich in Wunschvorstellungen ergehen und sich nicht bei der Überlegung aufhalten, ob und wie das Geforderte verwirklicht werden kann.

Einer ersten Orientierung wird es dienlich sein, wenn wir das, was ohne weitere Erklärung einleuchtet, von den zahlreichen Vorschlägen unterscheiden, die neue Fragen aufwerfen, auf die wir hier vorerst nur hindeuten können.

Die praktische Tragweite der vorgelegten Empfehlungen kann ich am leichtesten mit einem Hinweis auf die Struktur des Wissenschaftsrates verdeutlichen: Er besteht aus zwei Kommissionen, der Wissenschaftlichen Kommission und der Verwaltungskommission. Es war ein guter Gedanke, die Mitglieder der Wissenschaftlichen Kommission nicht nur aus dem Kreise der Hochschullehrer zu berufen, sondern auch sechs führende Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Industrie und der Kommunalverwaltung zur Mitarbeit zu gewinnen – also aus Bereichen, die bereits die Wissenschaft tatkräftig gefördert haben, wo man zudem aus reicher Erfahrung weiß, wie man große organisatorische Pläne verwirklicht. (Vorsitzender des Wissenschaftsrates ist seit der Konstituierung im Februar 1958 Professor Dr. iur. Helmut Coing, Universität Frankfurt; Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission: Professor Dr. iur. Ludwig Kaiser, Universität Tübingen; Vorsitzender der Verwaltungskommission: der Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein Edo Osterloh.)

Man hat anfänglich die Zweiteilung des Wissenschaftsrates scharf kritisiert. Insbesondere die Hochschullehrer befürchteten, daß die Verwaltungskommission, die in erster Linie aus Mitgliedern der Bundesregierung und der Länderregierungen besteht, die Pläne und Wünsche für die wissenschaftliche Forschung begrenzen oder hemmen könnte. Jetzt zeigt sich, daß diese Konstruktion sinnvoll und auch zweckmäßig ist. Denn daß die Verwaltungskommission den Bericht unterschrieben hat, bedeutet, daß ihre Mitglieder sich damit verpflichten, für die Verwirklichung der Pläne, die sie nach sicherlich sehr strenger Prüfung gutgeheißen haben, einzustehen, indem sie von sich aus alles tun, was im Rahmen der Exekutive möglich ist, und indem sie begründete Anträge vor die Parlamente bringen, die die finanziellen Mittel bereitstellen sollen. Ein derart beglaubigter Bericht ist mehr wert als ein noch so gut begründetes Manifest von Wissenschaftlern, an das sich keiner der für die Verwirklichung Verantwortlichen so gebunden sieht, wie es hier der Fall ist.

Nach einem geschichtlichen Rückblick auf die Entwicklung der deutschen Hochschulen weist der Bericht überzeugend nach, daß die Zahl der Lehrer und der Umfang der Einrichtungen mit der steigenden Zahl der Studenten, die jetzt: 200 000 beträgt, nicht Schritt gehalten hat. Von diesem Sachverhalt gehen die grundsätzlichen Empfehlungen aus. Es werden zwei Möglichkeiten erörtert:

1. Beschränkung der Zulassung und schärfste Auslese der Studenten.