Die Bilanz der VTG Vereinigter Tanklager und Transportmittel GmbH, Hamburg, für 1959 bestätigt wieder einmal, daß es sich bei diesem Unternehmen um eine der Perlen des Bundesvermögens handelt. Alleinige Gesellschafterin ist immer noch die Industrieverwaltungs-Gesellschaft mbH (IVG), Bad Godesberg, mit der auch ein Gewinn- und Verlustübernahmevertrag (Organvertrag) besteht, so daß man das eigentliche Jahresergebnis nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung ablesen kann. Der Bund beabsichtigt die VTG an die Preussag zu verkaufen, wogegen sich das Bundesverteidigungsministerium gewandt hat, das die Einrichtungen der Gesellschaft „für den Notfall“ schnell in eigene Regie nehmen möchte. Ob die Bedenken gegen den Verkauf stichhaltig sind oder nicht, soll in diesem Zusammenhang nicht erörtert werden. Aber die Vorbereitungen für die Übernahme der VTG durch die Preussag sind inzwischen soweit gediehen (die Preussag hat sich bereits von ihren Aktionären dafür eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen), daß die Bundesregierung – wenn sie nicht im Wahljahr eine Schlappe hinnehmen will – wohl oder übel den Verkauf an die Preussag endlich bewilligen muß.

Bei der VTG stand das Jahr 1959 im Zeichen wachsender Inanspruchnahme der Kesselwagen, Motortankschiffe und Tanklager. Der Umsatz ist um 9 vH auf 54,9 Mill. DM gestiegen. Entsprechend hat sich auch der Gewinn vergrößert. Bilanzmäßig dürfte er nicht groß gewesen sein, denn in den ausgewiesenen Steuern von 0,135 (0,068) Mill. sind noch Nachzahlungen enthalten. Der Großaktionär dürfte demnach nicht viel erhalten haben. Vielmehr ins Gewicht fällt der Vermögenszuwachs. Dank der Investitionen der vergangenen Jahre hat die VTG hohe Abschreibungsmöglichkeiten. Im Jahre 1959 betrugen die Abschreibungen 17,3 Mill. DM, davon wurden 12 Mill. benutzt, um neue Anlagen zu finanzieren. Der Rest diente der Tilgung von Fremdmitteln.

Ein Schönheitsfehler der Bilanz ist die geringe Eigenkapitalbasis. Das Grundkapital beträgt 30 Mill., die Rücklagen machen nur 10 Mill. aus. Dem steht ein Anlagevermögen von 89,8 Mill. DM gegenüber. Als bundeseigene Gesellschaft leidet die VTG – ebenso wie viele andere staatliche Unternehmen – unter der Abneigung des Großaktionärs Bund, Kapitalerhöhungen durchzuführen, also das Eigenkapital dem gestiegenen Geschäftsumfang anzupassen. Als Eigenkapitalersatz dienen offenbar die Konzern Verbindlichkeiten, die in der Hauptsache einen Betriebskredit zum Gegenstand haben.

Von den Investitionen entfallen 10 Mill. auf den Neu- und Umbau von Kesselwagen und rund 2 Mill. auf den Tanklagerbetrieb Die Kapazitäten haben sich wie folgt entwickelt: 14 000 (13 000) Kesselwagen mit 417 000 (407 000) cbm, 10 (10) Motortankschiffe mit 6000 (6000) Tonnen, 6 (?) Tanklager mit 429 000 (295 000) cbm.

Im Geschäftsjahr 1960 kann nach dem bisherigen Verlauf mit einer weiteren Umsatzsteigerung und mit einem ebenfalls günstigen Ergebnis gerechnet werden. – ndt.