Anmerkungen zum Prozeß gegen den Gattenmörder Bornstedt

Bonn

Nur das kleine Schild „Presse“ bewies uns Berichterstattern, daß wir auf der richtigen Bank im Gerichtssaal saßen. Alles, was um uns geschah, mußte uns glauben lassen, wir seien die Angeklagten. „Hören Sie auf zu photographieren, sonst fliegen Sie raus!“ Das war die Begrüßung des Vorsitzenden des Bonner Schwurgerichts, Landgerichtsdirektors Hoff Stadt. Als die Öffentlichkeit kurz nach Beginn der Verhandlung ausgeschlossen wurde, hielt es der Vorsitzende für angebracht, die Journalisten auch gleich mit hinaiszuschicken. Sicherlich traute er uns nicht zu, die Grenzen der „Gefährdung der Sittlichkeit“ zu erkennen.

Aber auch wenn man die Beziehung der beiden Angeklagten nicht bis ins letzte Detail kennt – das, was in zwei Prozeßtagen zur Sprache kam, reicht bei weitem aus, um zu erschrecken: Heinri:h Bornstedt, 37 Jahre alt und zuletzt Oberfeldwebel in der Personalabteilung des Bundesverteidigungsministeriums, hat gemeinsam mit seiner 23jährigen Geliebten, der Krankenschwester Paula Köckeis, seine Frau umgebracht. Die beiden glaubten, danach sei der Weg für sie frei. Vier Tage lang hatten sie an der Frau herumexperimentiert, ehe der Tod eintrat.

Ohne Rezept

Zuerst versuchten sie Frau Bornstedt mit einem Betäubungsmittel zu töten, dann mit einer Bierflasche im Schlaf zu erschlagen, dann mit einer Benzininjektion umzubringen, dann durch Einspritzen von viermal fünf Kubikzentimeter Luft eine tödliche Embolie zu erzeugen, und schließlich, als alles das nicht die erhoffte Wirkung hervorrief, gaben sie der Frau ein Präparat, das eine Herzlähmung zur Folge hatte.

Um die beiden Mörder zu beschreiben, genügt eigentlich dies: „Es darf ihr aber nicht wehtun“, hatte Bornstedt von seiner Komplizin verlangt, als sie die verschiedenen Möglichkeiten des Tötens erörterten. Dieser so gefühlvolle Gatte brachte es jedoch fertig, die zehnjährige Tochter das Herzlähmungsmittel aus der Apotheke holen zu lassen. Ohne Rezept übrigens. Paula Köckeis hatte den Namen lediglich auf einen Zettel geschrieben „..und ein Tütchen Pfefferminztee“. Der Apotheker ist inzwischen zur Verantwortung gezogen worden. Die gefährliche Lücke im Arzneimittelgesetz ist geschlossen.