Die Begabung des Reporters – es hat sie immer gegeben: Toqueville, Casanova, Goethe. Das unruhige Blut, der klare Kopf, das Talent zum Ausdrude – sie paarten sich auch im Zeitalter der Postkutsche manchmal. An die Stelle von Gänsekiel und Streusandbüchse, man weiß es, traten Füller und Schreibmaschine: Von Polgar bis Kisch.

Mit Peter von Zahn gewinnt das Jet-Zeitalter seinen Spiegelbildner, und die Formen heißen Radio, Fernsehen. Schnell und flüchtig wie die Instrumente des Reporters von Zahn sind die Wirkungen. Gewiß, die Hörer, die Zuschauer zählen nur noch in den Millionen, der Ruhm erreicht Breite und Weite von Fußballhelden und Filmakteuren. Aber der große Reporter ist immer auch ein Autor, und – moderne Zeiten, neue Welten hin und her – der Autor, der Schriftsteller braucht Papier und Druckerschwärze wie die gute Butter das nahrhafte Vollkornbrot. Mit anderen Worten: das Buch – das Buch gehört dazu.

Zu den Fernsehfilmen „Aus der farbigen Welt“, zu den Radiokommentaren Peter von Zahns gehört es, und da ist es wie die früheren beiden Bände „Aus der neuen Welt“, klug und adrett in Titel und Inhalt –

Peter von Zahn: „Berichte aus der farbigen Welt“; Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg; 236 S., 14,80 DM.

Der Wunsch des Reporters, es schwarz auf weiß nach Hause zu tragen, was so belegt flimmerte und tönte – er ist legitim. Aber steht es denn auch für sich, das nackte Wort, für den geneigten Leser, der die Faszination der Stimme entbehrt, die freundliche Erscheinung der elektronisierten Persönlichkeit auf der Mattscheibe? Im Falle des Autors Peter von Zahn erweisen die Texte hinter seiner Rede, seinen Bildern, wie sehr die gute Reportage doch aus dem Geiste, der Konzeption, dem Über- und Einblick lebt.

Und aus dem Stil. Zahn beweist noch einmal, wie eng das deutsche Vorurteil ist, Politik und Feuilleton seien zwei journalistische Sparten, die ein und derselbe Mann nicht können, nicht machen dürfe. Den Begriff haben diese Berichte vom politischen Verstand, die Anschauung von der ästhetischen Sensibilität des Autors, die Mischung erst macht den Meister, tut die besondere Wirkung.

Schnuppern und melden, das ist die Art dieser farbigen Berichte aus einer rasch sich wandelnden Welt. Sie ist bereits nicht mehr eine Welt des weißen Mannes. Zahn studiert und doziert nicht über Tausendundein Länder, die er schmetterlingshaft berührt und verläßt. Er hält Eindrücke fest und zieht aus dem Blitzlicht des erleuchtenden Augenblicks die Erhellung durch meditierende Analyse. Das könnte zu Abrakadabra führen, wenn es sich nicht reizend hielte auf dem Seil der einzigartigen Welterfahrung und Urteilskraft, dem skeptischen Humor und der gutsächsischen Neugier dieses Grandseigneurs der deutschen Reportage heute: Peter von Zahn. Thilo Koch