Begegnungen mit Film- und anderen Leuten – Der vertrackte Mechanismus des kommunistischen Gehirns

Von Robert Neumann

Eines der Attribute souveränen Denkens ist Humor. Er ist die Souveränität der Skeptiker: Frucht einer gesteigerten Fähigkeit, Vorgänge zu beobachten und sich von den Geschehnissen nicht mehr beeindrucken zu lassen, als die Sache verdient. Gegenüber dem, der solchermaßen souverän zu beobachten weiß, hat weder die hochtönende Phrase Bestand, noch die geschickt berechnete Geste. – Nach der Lektüre dieses abschließenden Kapitels der kleinen Serie, in der Robert Neumann den Lesern der ZEIT von seinen „Freunden den Kommunisten“ erzählte, wird man zugeben, daß man einiges vom Autor lernen kann: Beobachte scharf! Und sei gelassen! Und lache, wo du lachen kannst!

Ich bin nicht nur Teilhaber eines großen Verlages, sondern auch Großaktionär und Vizepräsident einer großen Filmgesellschaft in Hollywood. Nein, ich scherze nicht, jeder kann kommen und mein Aktienpaket besichtigen, und wer es mir abkaufen will – aber das gehört vielleicht nicht hierher ...

Als die Filmgesellschaft die zweite Rate für jenen Film, über den ich berichtete, nicht bezahlte, konnte ich mir nur Aktien nehmen, an Zahhngs Statt. Als sie die dritte Rate nicht zahlte, filmte sie gerade in Indien. Ich dachte: Ich fliege hin und kassiere ein! Einkassiert habe ich zwar nichts, außer dem Ehrenamt eines Vizepräsidenten, das ich nun auf meinen Visitenkarten hätte, wenn ich Visitenkarten hätte, und ich hätte für diese noch mehrere derartige – aber ich gerate da vielleicht wieder vom Thema ab. Ich war also eines Tages in Indien, und in den Filmen.

Indische Erlebnisse

Ich habe viele Freunde in Indien. Das, was man Intellektuelle nennt. Intellektuelle sind radikal, in Indien. Radikal sein, in Indien, heißt für neun Zehntel dieser ausgezeichneten Männer (oder hieß jedenfalls damals): kommunistisch-nationalistisch sein. Das hat mit dem Kommunismus, wie wir ihn kennen, nur sehr wenig zu tun. Alle unsere Dinge sehen von dort ganz anders aus.