Eine außerordentliche Hauptversammlung der Alfons Müller-Wipperfürth AG, Düsseldorf, hat beschlossen, das Grundkapital von 15 auf 20 Mill. DM zu erhöhen. Wie verlautet, wollen die bisherigen Aktionäre, also die Gruppe Müller-Wipperfürth sowohl die 5 Mill. aus dem bereits genehmigten Kapital als auch die neuen 5 Mill. DM Aktien zum Kurs von 120 vH selbst übernehmen. Damit ist eine neue Lage entstanden, denn nach dem, was der Vorstandsvorsitzende Müller (Lugano) bisher aus seinem Schweizer Exil verlauten ließ, sollten die 10 Mill. DM jungen Aktien einem breiten Interessentenkreis direkt zu einem ungewöhnlichen (und durch nichts zu rechtfertigenden) Ausgabekurs von 1000 vH angeboten werden. Darüber ist in allen Einzelheiten in unserer vergangenen Ausgabe (Gespräch am Bankschalter) berichtet worden. Nach der alten (inzwischen überholten) Konzeption wären immerhin der Gesellschaft etwa 95 Mill. DM an neuen Mitteln zugeflossen. Damit wären ihre brennenden Kapitalprobleme mehr als gelöst gewesen.

Aber Müller-Lugano hat sich jetzt die Sache anders überlegt. Nicht die Gesellschaft soll den hohen Preis für die Aktien einheimsen, sondern er selbst mit seiner Gruppe. Er hält nämlich – so ist es zu hören – daran fest, die 10 Mill. DM jungen Aktien zu einem Preis von 1000 vH an Interessenten zu veräußern. Nur daß jetzt die Differenz zwischen dem Kurs von 120 vH, zu dem er sie übernommen hat, und seinem Verkaufspreis von 1000 vH in seine eigene Tasche fließt. Setzt man die Unkosten dieser ungewöhnlichen Transaktion mit etwa 8 Mill. DM an, so wäre der Müllersche Privatgewinn rund 80 Mill. DM.

Die Sache stinkt, pflegt man an der Börse zu sagen. Und das wurde auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rudolf Münemann, vielfach umstrittener Finanzmakler, zuviel. Münemann stellte klar, daß er keine Aktien des Unternehmens besitze und auch mit seiner Unterschrift keine Transaktion decken werde, die nicht den banküblichen Usancen entspräche. Münemanns Investitions- und Handelsbank, Frankfurt/Main, die Hausbank der Müller-Wipperfürth AG, wird einen Börsenprospekt ausarbeiten und nur einen Verkaufskurs für die jungen Aktien vorschlagen, der dem wirklichen Wert des Unternehmens entsprechen soll. Damit sind die Träume von Müller-Lugano, mühelos zu 80 Mill. DM zu gelangen, wohl zunächst ausgeträumt.

Münemann hat die Absicht, über seine Investitions- und Handelsbank ins Emissionsgeschäft zu kommen. Er weiß, daß dies nur mit äußerster Korrektheit gelingen wird, zumal er – wie die Vergangenheit gezeigt hat – unter den Banken nicht gerade viele Freunde besitzt. Schon heute mag er bedauern, sich mit Müller-Lugano liiert zu haben, denn die Emission Müller-Wipperfürth ist alles andere als ein guter Start auf seinem neuen Weg geworden. K. W.