Fünf Milliarden sind zu viel – Haben die Berufsgenossenschaften geschlafen?

Von Hanns Meenzen

Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften liest der Besucher am Eingang, und darunter ein ebenso großes Schild: „Gesamtverband der Familienausgleichskassen.“ Dem kleinen Bau in der Reuterstraße 157 in Bonn sieht man es nicht an, und dem Unkundigen verraten es auch die Schilder nicht, daß hier die Spitze eines klassischen Zweiges unserer Sozialversicherung residiert, nämlich die Unfallversicherung.

Nach jahrzehntelangem Wirken in der Stille sind neuerdings die Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf sie gerichtet. Massive Angriffe hat es gegeben und Vorwürfe, die den Berufsgenossenschaften nicht gleichgültig sein können. Sie aus dem Dornröschenschlaf erwecken, wollen ihre Kritiker. Sie gemeinsam mit dem endlich erwachten Interesse der Wirtschaft an den steigenden Unfallzahlen zu vermehrter Aktivität veranlassen, wollen ihre Freunde.

Am 5. Dezember wird der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften sich im Bonner Presse-Club den Journalisten stellen. Er wird sich verteidigen und rechtfertigen, aber er wird als Positivum verkünden können, daß ein frischer Wind sich erhoben hat, daß der Stellungskrieg um die Unfallverhütung in Bewegung geraten ist und daß dieser Nebenkriegsschauplatz zu einem Hauptkampfplatz zu werden verspricht. Und das kam so:

Des übliche Trott

Der deutsche Unternehmer pflegt üblicherweise ein gewisses Ausmaß von Unfällen als unvermeidliche Begleiterscheinungen der Produktion hinzunehmen. Wenn er – was durchaus nicht immer der Fall ist – den Unfallverhütungsvorschriften Genüge getan, einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen und abschreckende Plakate ausgehängt hat, dann glaubt er im allgemeinen, seine Pflicht getan zu haben. Passiert trotzdem etwas, dann ist es Sache der Unfallversicherung, für den Verletzten zu sorgen, ihm, wenn es sein muß, eine Rente zahlen.