Ich trete also vor die drei kleinen Käfige, in denen Rudolf Walter Leonhardt drei Spezies des homo criticus literaricus ausgestellt hat.

Da sitzt der „Nüchtern-Sachliche“. Sie schreiben: dazu falle Ihnen nichts ein. Aber mir fällt was ein: daß Sie ihn, gottlob, bereits im Blatt haben. Unter der Rubrik: Zu empfehlen. Ich empfehle, daß Sie diese Rubrik erweitern – unter dem Titel Wir zeigen an. Und die Leser werden das Kurze, Präzise, Anonym-Nüchterne mit Nutzen und Vergnügen lesen.

Ihr „Farbig-Sachlicher“ ist, was die Kritik angeht, nur eine Variante des Farblos-Sachlichen.

Er schreibt die unkritische Plauderei, Poesie oder Tüftelei, die sich an das Buch hängen.

Dies Feuilleton, diese Gefühlsseligkeit, diese Gedankerei tut weder dem Autor weh noch dem Plauderer, noch dem Redakteur, wärmt Herzen und Hirne mancher Leser – und ist meist harmlos.

Ich selber lese derartiges diagonal.

Sie lieben am meisten den „Farbig-Persönlichen“. Kleiner Feinschmecker! Schließlich können Sie in diesem Käfig die ganze große Literaturkritik ausstellen: zum Beispiel von Lessing bis Kerr. Zum Beispiel auch den Frankfurter Theaterkritiker Börne. Zum Beispiel auch den Pariser Musikkritiker Richard Wagner (nie wieder schrieb er brillant). Zum Beispiel auch den großen Ahnherrn Heine und seinen widerspenstigsten Schüler Karl Kraus und seinen Statthalter auf Erden (im 20. Jahrhundert) Alfred Kerr. Und hier liegt auch das Meisterwerk über allen Meisterwerken des „Farbig-Persönlichen“: „Nietzsche kontra Wagner“.