A. d. F., Rom, Ende November

Englands Ministerpräsident und sein französischer Kollege sind mit ihren Außenministern zu früh nach Rom gekommen. Ehe nicht der neue Präsident der Vereinigten Staaten die Zügel in die Hand genommen hat, wollen sich die Italiener nicht festlegen – das wurde offenbar, als die Regierung Fanfani in den letzten Tagen nacheinander Macmillan und Debré zu Gast hatte.

Was ihre Europa-Politik anlangt, so arbeiten die Italiener auf den wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß Europas hin, sind aber zugleich darauf bedacht, eine Entfremdung Großbritanniens vom Kontinent zu verhindern. So erklärt sich der anglo-italienische Beschluß, bis zum 10. Dezember einen gemeinsamen Ausschuß zu bilden, der konkrete Vorschläge zur Überbrückung der Rivalität zwischen beiden europäischen Wirtschaftsgruppen ausarbeiten soll.

Andererseits liegt den Italienern jedoch auch sehr daran, die Franzosen nicht zu verschnupfen. Sie haben sich deshalb beeilt, den französischen Besuchern beruhigende Erklärungen dieses Beschlusses zu geben, und es ist ihnen in der Tat gelungen, bei Debrés Besuch in der Ewigen Stadt die am Quay d’Orsay spürbar gewordene Nervosität aus der Welt zu schaffen.

Das heiße Eisen der NATO-Reform – besonders der Schaffung einer NATO-Atom-Macht – ist in Rom nur zaghaft angefaßt worden. Allerdings haben Ministerpräsident Fanfani und Außenminister Segni den Franzosen ihre Vorliebe für den Norstad-Plan nicht verschwiegen. Diese Vorliebe bestätigte auch der Beifall, den der NATO-Oberkommandierende zu Beginn dieser Woche mit einem Vortrag über die europäische Verteidigung fand. Es gilt am Tiber indessen als sicher, daß über die Reform des Bündnisses bei der Pariser Dezember-Konferenz des NATO-Rates noch keine Entscheidung fallen wird. Auch Italien wartet auf Kennedys Stellungnahme.