Von Kat op der Strepen

Es werden alle Jahre mehr, und sie werden alle Jahre immer kecker, munterer und bunter, die Kinderbilderbücher. Schon lange brauchen wir nicht mehr neiderfüllt zu bewundern, wie man jenseits unserer Grenzen unbefangen den Kindern in allen Tonarten vormalt und vorreimt. Was gut und schön ist in der Schweiz, in Frankreich, Schweden, Italien, Amerika oder selbst in Polen oder Böhmen, das kaufen unsere Verleger auch für uns ein.

Aber was viel wichtiger ist: unsere eigenen Bilderbuchmacher, die Versedrechsler und Geschichtenerfinder, aber auch die Maler und Zeichner, sind mutig geworden (oder wurden es die Verleger?) und haben’s inzwischen gelernt: sie tanzen zu lassen, die Phantasie, in Worten und Bildern.

Wer bringt das schönste, das beste Bilderbuch in diesem Jahr? Die alte Frage.

Vielleicht Stalling in Oldenburg mit drei Generationen alter Bilderbuchtradition? Oder der Verlag Otto Maier aus Ravensburg – auch schon hundert Jahre alt? Oder der Lentz aus Münden, der in den paar Lenzen seines Bestehens bereits manche Auszeichnung einheimste? Oder der verrückte Buchheim? Der stets exquisite Ellermann? Herder in Freiburg oder Oetinger in Hamburg? Oder die einfallsreichen Obpacher? Oder gar einer der „Großen“, die sich jetzt immer häufiger das eine oder andere anspruchsvolle Bilderbuch gerehmigen – im vorigen Jahr Walter, in diesem Kindler, im nächsten vielleicht der Witsch? Jedenfalls: Bilderbuchverlage gibt’s die Menge, und Bilderbücher sind da für jeden Geschmack.

Gefällig modern in Strich und Form, wenn auch ein wenig kunstgewerblich konventionell, ist die Geschichte vom „Glücklichen Löwen“, den die Genfer Amerikaner Louise Fatio und Roger Duvoisin erfanden. Dieses sanftmütige Bilderbuchtier, den Steiff-Knopf-im-Ohr-Plüschlöwen verwandter als jedem lebenden Exemplar der Gattung Leo, ist seit Jahren eben wegen dieser Sanftheit erklärter Liebling der Kinder. So werden sie sich besonders freuen, wenn nun im vierten Band ein Löwenkind auftritt, friedfertig und verspielt, ein richtiger Schoßlöwe, der nicht einmal für den Zirkus taugt, wie sich herausstellt. Beachtlich bleibt, daß es Duvoisin gelungen ist, seinen Löwen wieder einmal zu variieren: graphisch ist der beste von den vieren dieser neue Band –

Louise Fatio / Roger Duvoisin: „Das glückliche Löwenkind“; Verlag Herder, Freiburg; 29 S., 4,80 DM.