Dem deutschen Sparer scheint das Geld ziemlich locker zu sitzen. Zu dieser Feststellung muß man kommen, wenn man die Aktivität gewisser ausländischer Stellen beobachtet, die eifrig – und auch nicht ohne Erfolg – bemüht sind, unbekannte Übersee-Aktien oder Zertifikate wenig bekannter Fonds zu verkaufen. Sie bedienen sich dabei Methoden, die in der Bundesrepublik bislang ungebräuchlich waren, und sind auch mit Versprechungen keineswegs sparsam. In den USA und Kanada wird auch niemand etwas dabei finden, wenn Agenten irgendwelche Papiere mit großem Propagandaaufwand und vielen Versprechungen anbieten. Man weiß eben, daß man solche Angebote genau zu prüfen hat. Bei uns in der Bundesrepublik liegen die Dinge anders. Einmal zwingt der Gesetzgeber zur Innehaltung bestimmter Vorschriften, die zum Schutz der Sparer erlassen wurden, zum anderen hüten sich die deutschen Banken, mit Rücksicht auf ihren guten Ruf, der Kundschaft zweifelhafte Anlagen zu empfehlen. Deshalb meine erneute Mahnung: Wenn Sie Ihre Ersparnisse einer ausländischen Stelle anvertrauen wollen, so vergewissern Sie sich vorher, ob Sie es mit einem seriösen Unternehmen zu tun haben. Prüfen Sie die Angebote!

Vor einigen Tagen erschienen in einigen Zeitungen Anzeigen, in denen zum Kauf von Zertifikaten des Anlage-Fonds für Bauland im Räume Montreal! Kanada „Canada-Land“ aufgefordert wurde. Er wurde so vorgestellt: „Eine schweizerisch-deutsch-canadische Investment – Gesellschaft zur krisenfesten Kapitalanlage in von besten Fachleuten ausgewähltes und von drei vereidigten Sachverständigen ausgezeichnet beurteiltes Bauland am Rande der schnell wachsenden 1,8 Millionen-Stadt Montreal/Canada.“ In einem reich bebilderten Prospekt wird dann eine Reihe von Persönlichkeiten genannt, die dem Fonds in der einen oder anderen Weise nahestehen. Doch keiner dieser, Namen ist bislang in der Bundesrepublik im Zusammenhang mit Vermögensanlagen bekanntgeworden.

Emissions-, Zahl- und Treuhandstelle ist die Bankag – Bank-AG für Vermögensverwaltung und Wertschriftenverkehr, Zürich. Dabei handelt es sich offenbar um die zentrale Vertriebsstelle der von der Transinvest AG, ebenfalls Zürich, begebenen „Canada-Land-Zertifikaten“. Der neue Fonds will seine Zertifikate vorerst nicht in der Schweiz, sondern nur in der Bundesrepublik verkaufen. In der Schweiz existiert bereits ein Fonds „Canada-Land“, der bei dem neuen Fonds „Canada-Land“ gegen den Mißbrauch seines Namens protestiert hat.-Aber bislang ohneErfolg. Sie müssen, meine verehrten Leser, also bei „Canada-Land“ immer prüfen, um welchen Fonds es sich jeweils handelt. Ich halte es für nicht sehr glücklich, daß es in einem Land zwei Fonds mit dem gleichen Namen gibt. Das hätten die Initiatoren des neuen Fonds eigentlich auch empfinden müssen. Warum deshalb die Namensgleichheit?

Auf einer Pressekonferenz des neuen „Canada-Land“-Fonds in Frankfurt/Main wurde behauptet, daß sich die deutschen Banken bereit erklärt hätten, den Verkauf der Zertifikate zu übernehmen. In der bereits erwähnten Anzeige wird zum Ausdruck gebracht, daß die Zeichnungen bei allen Banken, Sparkassen und Volksbanken spesenfrei erfolgen. Diese Aussage darf aber nicht zu der Annahme verleiten, daß alle deutschen Banken nun auch als offizielle Verkaufsstellen angesehen werden können. Ich weiß, daß Vertreter des Fonds versucht haben, den Eindruck zu erwecken, als ob eine deutsche Großbank sich bereit erklärt habe, ihrer Kundschaft den Kauf von „Canada-Land“ zu empfehlen. Diese Großbank hat die Bankag energisch aufgefordert, alles zu unterlassen, was geeignet wäre, bei anderen Firmen oder Privatpersonen den Anschein zu erwecken, daß sie als Verkaufsstelle für Canada-Land fungiert.

Das vorweg, ehe wir uns mit dem eigentlichen Fonds befassen. Ich meine, daß die Schweizer Gesellschaft – wenn sie Vertrauen erwerben will – zunächst einmal Klarheit über den Fonds-Namen schaffen muß. Man kann nicht mit Anstand unter fremder Flagge segeln. Außerdem: Die Transinvest sollte sich um eine namhafte deutsche Bank als Repräsentantin in der Bundesrepublik bemühen, die sich mit ihrem Namen hinter alle Angaben stellt, die von Transinvest bezüglich des Montrealer Grundvermögens gemacht werden. Kein Zeichner kann kontrollieren, ob die Sachverständigen der Gesellschaft den Grundstücksmarkt dort richtig beurteilen oder vielleicht zu optimistisch in bezug auf die Bodenpreise sind. Man kann unmöglich völlig unbekannten Leuten einen Vorschuß an Vertrauen gewähren.

Was bietet Transinvest mit seinem „Canada-Fonds“? Der Fonds hat von einem Simon Davidson, Präsident kanadischer Baugesellschaften und Aktionär von Transinvest (er gehört auch dem Verwaltungsrat dieser Gesellschaft an) am Stadtrand von Montreal 1,73 Millionen Quadratmeter Bauland erworben und meint, daß sich der Grundstückspreis innerhalb von fünf bis sieben Jahren verdoppeln wird. Simon Davidson hat sich also von einem guten Objekt getrennt – wenn die Prophezeiungen der Gesellschaft in Erfüllung gehen.

Die Transinvest gibt Zertifikate auf den Anlagefonds aus, die dem Inhaber je Anteil (Preis 105 Kanada-Dollar) eine Flächeneinheit von 100 Quadratmeter einer bestimmten Baulandparzelle verbriefen. Diese Zertifikate verkörpern ein Miteigentum gemäß dem kanadischen Recht. In fünf, spätestens in sieben Jahren muß nach den Vertragsbedingungen Transinvest das Land verkaufen. Der Erlös fließt dann abzüglich einer Kommission von 2 1/2 vH den Zertifikatsbesitzern zu. Hat sich der Grundstückspreis bis dahin verdoppelt, dann erfreuen sich diese eines ansehnlichen Vermögenszuwachses.