Rosemarie Nitribitts empfindlicher Hauswirt

R. H., Frankfurt

Endlich sind wieder einmal Gerichte mit Rosemarie Nitribitt „befaßt“ worden. Nicht, daß ihr Mörder vielleicht nach Jahr und Tag gefunden wäre, das nicht. Es gab nur einen Zivilprozeß um den Film „Das Mädchen Rosemarie“. Zweimal wurde darin erwähnt, wo die Prostituierte einst wohnte, und einmal im Bild gezeigt, wie die angenehme Unterkunft aussah.

Das gefiel dem Eigentümer des kostbaren Mietshauses in Frankfurt gar nicht. Als die Außenaufnahmen des Films gedreht wurden, hatte er die Filmgesellschaft schon vergeblich aufgefordert, „von jeder Abbildung oder Nennung des Hauses abzusehen, weil dadurch der Ruf des Hauses gefährdet und das seelische Empfinden der Mieter beeinträchtigt“ werde.

Vor der Uraufführung, im August 1958, erhob der Hauswirt die Unterlassungsklage gegen die Filmgesellschaft: Er beantragte, der Firma zu untersagen, den Film öffentlich vorzuführen, solange daraus nicht jeglicher Hinweis in Bild und Ton auf sein Haus entfernt sei. Später schränkte er seinen Antrag ein und verlangte nur noch, der Dialog dürfe das Haus nicht nennen.

Dieser Forderung gab das Landgericht Frankfurt statt – und wäre nicht das Oberlandesgericht gewesen, das die Klage dann abwies, so hätte das „Mädchen Rosemarie“ keinen festen Wohnsitz gehabt.

Der Hauswirt, der – sozusagen postum – soviel Wert auf den guten Ruf seines Hauses legte, ging in die Revision und der Bundesgerichtshof hatte sich nun mit dem renommierten Haus zu beschäftigen. Er schloß sich der Berufungsinstanz an.