Dumme Kommiß-Methoden

H. M., Traunstein

Zwei junge Rekruten haben die Ausführung eines Befehls mit dem Tode bezahlt. Als nach einem Kameradschaftsabend das Antreten des Zuges vor dem Gasthaus am Fuße der Reiteralpe im Berchtesgadener Land nicht klappte, wurden die Soldaten in der Dunkelheit nach Kommiß-Manier „gescheucht“. „Atompilz! Volle Deckung!“ rief der eine Ausbilder, „Nach rechts wegtreten!“ ein anderer – und schon war es geschehen: Vier Soldaten sprangen über ein Geländer am Straßenrand und stürzten in eine 30 Meter tiefe Schlucht. Zwei blieben tot liegen.

Dies Unglück weckt die Erinnerung an ein ähnliches. Am 3. Juni 1957 watete ein Zug Gebirgsjäger auf Befehl in die Iiier, 15 Soldaten ertranken in dem reißenden Fluß. Auch damals gab ein Unterführer eigenmächtig den verhängnisvollen Befehl; auch damals war kein Offizier anwesend. Nach dem Unglück fehlte es nicht an amtlichen Versicherungen, die Ausbildung der Soldaten werde so umgestaltet, daß derartige Vorfälle sich nicht wiederholen.

Nun, trotz mancher Ähnlichkeit wäre es falsch, die beiden Unglücksfälle auf eine Stufe zu stellen. Der Stabsoberjäger Julitz gab den Befehl zum Durchqueren der Hier aus sportlichem Ehrgeiz und möglicherweise aus Übereifer. Der Gefreite Hartmann dagegen, der mit seinem „Volle-Deckung“-Befehl für bessere Disziplin sorgen wollte, hat sich nur einer jener einfallslosen Kommißmethoden bedient, wie sie gelegentlich wieder praktiziert werden. Wenn aber gedankenlose „Kommißigkeit“ Platz greifen konnte und trotz Verbot solche Befehle erteilt wurden, so stellt sich doch die Frage, wie es denn in diesen Einheiten mit der Dienstaufsicht der Unterführer bestellt ist.